Paul Manafort (68) leitete bis August 2016 Trumps Wahlkampagne. Foto: imago
Trumps Wahlhelfer stellt sich FBI
Der US-Präsident konnte die Russland-Affäre bisher nicht abschütteln. Die Anklage gegen den Wahlstrategen Paul Manafort ist jetzt auch ein Warnzeichen: Sonderermittler Mueller meint es ernst.
VON FRANK HERRMANN
WASHINGTON Noch im Sommer vergangenen Jahres hat Paul Manafort den Wahlkampf des Kandidaten Donald Trump organisiert. Nun ist er der Erste aus dem Kreis der Vertrauten um den US-Präsidenten, gegen den der Sonderermittler Robert Mueller Anklage erhebt.
Die Schrift stand an der Wand, spätestens seit jenem Julitag, als das FBI Manaforts Villa in einem lauschigen Vorort Washingtons durchsuchte und kistenweise Unterlagen mitnahm. Sie waren alles andere als eine Überraschung, die Aufnahmen, die amerikanische Fernsehsender gestern Morgen ausstrahlten. Sie zeigten den 68 Jahre alten Lobbyisten, das Gesicht hinter einer Autoscheibe nur schemenhaft zu erkennen, auf dem Weg zu einem Büro der Bundespolizei. Er kam einer Festnahme zuvor, indem er sich freiwillig stellte. Bei einem ersten Gerichtstermin plädierte Manafort auf „nicht schuldig“. Parallel dazu machte Mueller auf 31 Seiten publik, was er Manafort zur Last legt.
Am schwersten wiegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und das Verheimlichen von Offshore-Konten; dazu der Vorwurf, dass Trumps Ex-Berater im Interesse einer ausländischen Macht handelte, ohne dies offenzulegen. Mit Letzterem ist Wiktor Janukowitsch gemeint, der frühere prorussische Präsident der Ukraine. Dessen Partei zahlte dem Netzwerker Millionenbeträge, ohne dass der es dem Fiskus gemeldet hätte. Das Geld floss auf Konten auf Zypern, weitere Einnahmen parkte Manafort in der Karibik. In der Übersicht über ausländische Bankverbindungen, wie sie amerikanische Steuerzahler Jahr für Jahr abgeben müssen, falls sie über solche verfügen, hat er sie allem Anschein nach unterschlagen, was an sich schon strafbar ist. Zudem versäumte er es, im Ausland erzielte Kapitalerträge zu versteuern.
Paul Manafort, heißt es in der Anklageschrift, habe sein verstecktes Vermögen genutzt, um einen opulenten Lebensstil zu finanzieren. Er kaufte teure Immobilien, und allein in einem Teppichladen in Alexandria soll er binnen zwei Jahren 930.000 Dollar, in einem New Yorker Bekleidungsgeschäft im Laufe von sechs Jahren über 850.000 Dollar gelassen haben. Insgesamt, so Muellers Fazit, habe er mehr als 18 Millionen Dollar an Geld gewaschen. Neben dem Politikberater muss sich auch Richard Gates, seit Langem seine rechte Hand, vor einem Gericht in der US-Hauptstadt verantworten. Unklar bleibt allerdings, ob auch nur einer der Vorwürfe etwas mit dem Verdacht zu tun hat, dem Mueller, einst ein sehr angesehener Direktor des FBI, nachgehen soll: Im Mai als Sonderermittler eingesetzt, soll er herausfinden, ob es während des Wahlkampfs 2016 illegale Absprachen zwischen Trumps Team und der russischen Regierung gab, um dem Kandidaten der Republikaner zum Sieg zu verhelfen. Zudem hat er zu klären, ob Trump die Arbeit der Justiz behinderte, als er den früheren FBI-Chef James Comey entließ.
Im Falle Manaforts gibt es nun allerlei Hinweise, dass er enge Kontakte zu Leuten im Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin geknüpft hatte. Medienberichten zufolge soll er in Diensten des Oligarchen Oleg Deripaska gestanden haben, eines mit Putin befreundeten Milliardärs. Deripaska bestreitet das, und ob es darüber hinaus irgendeine Spur gibt, die zu Trump selber führt, ist momentan völlig offen.
Doch während der Präsident seinen früheren Adlatus bisweilen als unbedeutenden, nur denkbar kurz bei ihm beschäftigten Außenseiter hinstellt, spielte Manafort in Wahrheit über Monate hinweg eine Schlüsselrolle im Orbit Trumps. Bis August 2016 leitete er dessen Kampagne, fünf Monate zuvor geholt, um Brücken zwischen dem Tycoon und dem konservativen Establishment zu bauen. Manafort sollte verhindern, dass sich die Ressentiments etablierter Republikaner gegenüber dem populistischen Seiteneinsteiger auf dem Wahlparteitag in einer offenen Rebellion entladen konnten.
Trump kommentierte auf Twitter die Anklage seines früheren Wahlkampfchefs mit einem Verweis auf seine Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton und ihre Demokratische Partei. Trump schrieb: „Sorry, aber das ist Jahre her, als Paul Manafort noch nicht Teil der Trump-Kampagne war. Doch warum sind nicht die betrügerische Hillary und die Dems im Fokus?“
INFO
Trumps Geschäfte in Russland
Immobilien Belegbar ist, dass sich in den 2000er Jahren viele zu Geld gekommene Russen in Trump-Immobilien eingekauft haben. Aufsehen erregte 2008 der Verkauf eines Anwesens in Florida an den russischen Oligarchen Dmitri Rybolowlew für 95 Millionen Dollar.
Schönheitswettbewerb 2013 fand der von Trump veranstaltete Schönheitswettbewerb „Miss Universe“ in Moskau statt. Trump-Firmen waren auch auf Moskauer Millionärsmessen vertreten.