„Klimpansen“ träumen vom eigenen Kletterfelsen
   Grafik: SVS
Ein erster Entwurf, wie der neue Kletterturm der Sonsbecker „Klimpansen“ künftig aussehen könnte. Er würde speziell auf die Bedürfnisse behinderter Menschen zugeschnitten werden, um inklusives Sporttreiben vor Ort ermöglichen zu können.
Die Klettergruppe des SV Sonsbeck möchte sich eine eigene Anlage bauen. Doch die Herausforderungen sind immens.
Von Markus Plüm

SONSBECK | Beim SV Sonsbeck könnte es künftig hoch hinaus gehen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die „Klimpansen“, die Klettergruppe des Sportvereins, hat sich ein ambitioniertes Projekt vorgenommen. Mit Mitteln aus dem europäischen Förderprogramm Leader soll der Bau sowie die Gestaltung einer eigenen Kletteranlage mit Kletterfelsen realisiert werden.

Dadurch könnte das gemeinsame Klettern von Menschen mit und ohne Behinderung auf viel breitere Füße gestellt werden, so Norbert Quinders, einer der Übungsleiter. Denn bereits seit 20 Jahren wird bei den „Klimpansen“ inklusiv geklettert. „Damals kannten wir das Wort Inklusion noch gar nicht, stoßen aber aus verschiedenen Gründen an die Grenze ehrenamtlichen Engagements“, sagt Quinders.

In erster Linie zeige sich, dass die üblichen Kletterhallen und -anlagen nicht für Menschen mit Behinderung ausgelegt sind. „Dadurch fällt eine große Motivation für unsere Sportler weg, Erfolgserlebnisse bleiben aus, der Stolz auf die eigene Leistung fehlt.“ Weiterhin würde durch eine eigene Klettermöglichkeit vor Ort das Training deutlich effektiver gestaltet werden können. Denn derzeit müssen die „Klimpansen“ alle zwei Wochen zwei Autostunden An- und Abreise zur nächsten geeigneten Anlage auf sich nehmen. „So könnte mehrmals in der Woche an den eigenen Kletterfertigkeiten gearbeitet werden – und das ohne zusätzliche finanzielle Belastung“, so Quinders.

Daher möchte man in Sonsbeck nun selbst Abhilfe schaffen. Im Willy-Lemkens-Sportpark soll eine eigene Kletteranlage entstehen, die durch Barrierefreiheit, geeignete Routen sowie weitere Vorrichtungen speziell auf die Bedürfnisse Behinderter eingehen soll. Zu dem Projekt würden weiterhin Aufenthaltsräume, Lagermöglichkeiten sowie ein Schulungsraum gehören. Zudem soll ein Boulderblock für seilfreies Klettern auf Absprunghöhe errichtet werden. „Diese Anlage wäre am Niederrhein und in NRW, wahrscheinlich aber auch bundesweit, ein Vorbild für innovatives und inklusives Sporttreiben“, sagt Quinders.

Die große Dimension der Pläne stellt die Verantwortlichen allerdings auch vor große Herausforderungen. Denn die geschätzten Kosten für den Turm liegen wohl bei rund 350.000 bis 380.000 Euro. Das Problem: Die maximale Fördersumme aus Leader-Mitteln beträgt 250.000 Euro. „Die Mittel sind bei uns bereits reserviert, wir würden damit wohl erstmals an die Maximalsumme herankommen“, sagt Beate Pauls vom Leader-Regionalmanagement. Heißt übersetzt: Die Restsumme von 100.000 bis 130.000 Euro muss der SV Sonsbeck zusteuern. Und das möglichst schnell, denn das Leader-Projekt läuft im Jahr 2022 aus. „Daher müssen wir Ende 2020 möglichst schon die ersten Anträge stellen, um noch in den Genuss der Förderung zu kommen“, sagt Quinders. Er schätzt, dass mit der Umsetzung des Projekt aber nicht vor Frühjahr 2021 begonnen werden kann.

Erste Ideen, wie das Ganze zu finanzieren sein könnte, hat man beim SVS aber bereits entwickelt. „Angedacht ist beispielsweise, die ,Namensrechte’ an einzelnen Routen an Firmen oder Kegelclubs zu verkaufen. Aber diese Überlegungen stecken noch in den Kinderschuhen“, sagt Quinders. Daher ist man nun nicht nur auf der Suche nach Kooperationspartnern, sondern auch nach privaten Spendern. „Wir brauchen Unterstützer. Kleinvieh macht auch Mist“, sagt Quinders.

Spenden mit Verwendungszweck „Klimpansen“ können auf das Konto mit der IBAN DE32 3546 1106 3001 8880 55 überwiesen werden.