Singen gegen die Angst vor Corona
   Foto: Uwe Miserius
Italienischer Moment in Schlebusch: Die „Blue-Mountain-Singers“ singen auf dem Marktplatz und halten dabei den Sicherheitsabstand ein.
„Blue Mountain Singers“ trafen sich vor dem Gemeindehaus in Schlebusch zur Gesangsstunde – in gebührendem Abstand, versteht sich.
Von Gabi Knops-Feiler

LEVERKUSEN | Von wegen in Deutschland wäre so etwas nicht möglich. Die Italiener hatten sich am Freitagabend landesweit zur gleichen Zeit mit eigener Stimme und unter Einsatz von Instrumenten auf Balkonen und an Fenstern gegen Corona-Angst und Langeweile angesungen. Nun  hat der Gospelchor „Blue Mountain Singers“ das Vorbild aufgegriffen.

„Mir wird das Singen und auch das Chortreffen mit euch fehlen“, sagte Initiatorin Ute Segrodnik, nachdem die Chorproben im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde abgesagt worden waren. „Was haltet ihr von der Idee, dass wir die Köpfe nicht hängen lassen, sondern uns zum Singen von Frühlingsliedern zur gewohnten Probenzeit im Freien treffen?“  Der Vorschlag stieß auf Resonanz, so dass der – stark dezimierte  – Chor am Montagabend tatsächlich einen kleinen Hauch von Dolce Vita auf dem Schlebuscher Marktplatz vermittelte.

Alle verzichteten auf Umarmungen und stellten sich in genügend großem Abstand auf. Die Stadt Leverkusen hatte Veranstaltungen zwar untersagt, aber solche, die der „Daseinsvorsorge“ dienen, explizit vom Verbot ausgenommen. Singen macht bekanntlich glücklich und schüttet das Glückshormon Serotonin aus, stärkt das Immunsystem und gehört somit zur „Daseinsvorsorge“.

Die Mitwirkenden sangen unter anderem solche Titel wie „Singen macht Spaß“, die südafrikanische Hymne ,,Siyahamba“ oder den zeitgenössischen christlichen Choral „You are my hiding place“. Darin heißt es unter anderem: „Du füllst immer mein Herz mit Liedern der Befreiung. Wann immer ich Angst habe, werde ich auf dich vertrauen.“ Dagmar Kilic dirigierte und betonte: „Das ist unser kleiner Beitrag gegen die ,German Angst’ um uns herum, bei allem Respekt für präventive Maßnahmen.“ Da voraussichtlich sämtliche Chorproben bis mindestens zum Ende der Osterferien entfallen, wird beim Chor nun auch über eine Skype-Konferenz nachgedacht, so dass alle Chorangehörigen demnächst am heimischen Computer zusammen singen können.

Wichtig wäre das nicht zuletzt zur Vorbereitung für das am 6. Juni in der Friedenskirche geplante Konzert zum 20-jährigen Chorbestehen. Ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr dürfte das Deutsch-Israelische Konzert am 4. Oktober um 16.30 Uhr sein, bei dem die Galron Singers mit ihrem Dirigenten Avi Feintoch zu Gast sind. Im Übrigen plant auch der Männerchor Bayer Leverkusen ein Konzert mit dem israelischen Chor. Ob die Vorhaben zu realisieren sind, wird sich zeigen. Bei beiden genannten wie auch allen anderen Chören wurden die Probenarbeiten inzwischen eingestellt.