Es ist amtlich – Steinkauz am umstrittenen Baugrundstück
RP-Archiv: Zehrfeld
Die Eppinghovenerin Susanne Nasfi und Günther Rinke vom Bund für Naturschutz (BUND) vor der Baustelle an der Rotbachstraße.    
Naturschützer haben ein Projekt an der Rotbachstraße heftig kritisiert. Die Stadt meinte, es gebe dort kein „artenschutzrelevantes Vorkommen“.
Von Sina Zehrfeld

EPPINGHOVEN | Jetzt ist es amtlich: Der Steinkauz lebt, jagt und brütet im Umfeld der umstrittenen Baustelle an der Rotbachstraße. Kritiker hatten von Anfang an protestiert und betont, dass in dem Bereich seltene Arten zu finden seien. Sie haben intensivere Prüfungen eingefordert, doch als sie damit Erfolg hatten, war das Baugrundstück schon freigeräumt. Die neue Entwicklung: „Über den Nabu haben wir festgestellt, dass hier der Steinkauz sesshaft ist“, sagt Susanne Nasfi, Eppinghovenerin und Kritikerin des Bauprojekts. Der Kreis Wesel hat reagiert. „Das Steinkauz-Revier wurde in den hiesigen Karten eingetragen“, teilte er dem Naturschutzbund (Nabu) mit.

Auf dem Gelände an der Rotbachstraße, angrenzend an die alte „Speithsche Villa“, entstehen wie berichtet zwei Gebäude mit insgesamt 14 Wohnungen und 14 Garagen. Die Stadt Dinslaken hat zudem das große Areal erworben, das sich hinter Baustelle und Villa bis hin zum angrenzenden Fußweg erstreckt. Für den gesamten Bereich und ein Gelände westlich des Sportplatzes soll ein Bebauungsplan erstellt werden. Den Planern steht die Entwicklung eines Wohngebietes vor Augen.

Der Kreis Wesel hat erklärt, dass er die Information zum Steinkauz-Vorkommen in der Gegend an die Dinslakener Stadtverwaltung weitergeleitet habe. Für die laufenden Arbeiten wird das erstmal nichts bedeuten. „Die untere Naturschutzbehörde vertritt vorliegend die Fachansicht, dass aktuell durch den Bau der beiden Häuser direkt an der Straße die artenschutzrechtlichen Verbote nicht ausgelöst werden“, erläutert der Kreis gegenüber dem Nabu. Die „ökologischen Funktionen im räumlichen Zusammenhang“ blieben trotz des Projektes erhalten. Aber für künftige Bauvorhaben wird die Sache von Belang sein. Denn „jeder weitere Eingriff auf den Grundstücken“ werde „sehr kritisch zu prüfen sein“.

Die Stadt Dinslaken habe zugesagt, die untere Naturschutzbehörde des Kreises bei den Planungen für den hinteren Bereich der Fläche frühzeitig zu beteiligen. Die Stadt werde dann auch eine fachgutachterliche Bewertung vorzulegen haben.

Dass der Steinkauz in der Gegend sein Revier hat, hat ein Vertreter des Nabu mittels einer „Klangattrappe“ festgestellt. Dabei wird ein Revier-Ruf abgespielt, und wenn ein Kauz in Reichweite ist, dann beantwortet es diesen Ruf. Das gelinge bei Eulen sehr zuverlässig und sei die Methode nach dem Stand der Wissenschaft, heißt es. Der Versuch erfolgte etwa 300 Meter entfernt vom „Eingriffsort“, also der Baustelle an der Rotbachstraße, und Steinkäuze hätten Reviere von einigen Hundert Metern im Umkreis.

Die Nabu-Aktiven und Kritiker des Bauprojektes erneuern ihre Kritik gegen die Stadtverwaltung. Man habe den Verantwortlichen dort frühzeitig mitgeteilt, dass es in der Gegend Käuze gibt. „Anwohner vor Ort haben auch noch Schleiereule und Waldohreule festgestellt“, heißt es beim Nabu weiter. „Und die sind nicht erst jetzt da. Die waren auch vor einem Jahr da, und das ist der Stadt Dinslaken auch übermittelt worden.“ Dennoch habe es im Vorfeld der Bauarbeiten zunächst mal keine vertiefte Artenschutzprüfung gegeben.

Die Umweltschützer werfen der Stadt also vor, nicht richtig hingeschaut zu haben. Sie fühle sie sich von der Stadt hingehalten, sagt Susanne Nasfi, die in der Angelegenheit besonders aktiv war und ist.

Sie und ihre Mitstreiter hoffen darauf, dass das Vorgehen der Stadt in Naturschutzangelegenheiten im anstehenden Wahlkampf ein Thema für die Bürgermeisterkandidaten wird. Ihre Befürchtungen hingegen gehen dahin, dass die Areale trotzdem bebaut werden könnten und lediglich „Ausgleichsmaßnahmen“ an anderer Stelle geschaffen werden.

Für das laufende Bauprojekt haben die zuständigen Stellen Vorwürfe in der Vergangenheit zurückgewiesen. Mit der Ausführung betraute Firma hat versichert, dass „sämtliche Vorschriften zum Artenschutz auch durch Fachgutachter/Biologen durchgeführt wurden“. Erst nach Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Wesel hätten die Arbeiten gestartet.

Die Stadt Dinslaken wiederum hat als Reaktion auf die kritischen Stimmen im Januar betont, das Vorhaben sei „unter Beachtung des Bundesnaturschutzgesetzes mit artenschutzrechtlicher Prüfung“ genehmigt worden. Ihre Aussage im Januar: „Verdachtsmomente auf artenschutzrelevantes Vorkommen im Baugebiet konnten nicht bestätigt werden.“