Remscheider Arzt blickt mit Sorge nach Uganda
Foto: G. Feldhoff
Dr. Volker Peinke unterstützt die Versorgung in Uganda.   
Mediziner Dr. Volker Peinke unterstützt das Gesundheitsamt, ist aber in Gedanken auch in Ostafrika.
Von Andreas Weber

LENNEP | 14 Corona-Verdachtsfälle wurden Mittwoch aus Uganda gemeldet. Das klingt nicht viel, aber Dr. Volker Peinke ahnt, dass diese Zahl dramatisch in die Höhe schießen wird. Die Pandemie wird auch das ostafrikanische Land bald im Griff haben. Und dies wird das Gesundheitszentrum in Kamukongo/Bbaala vor Probleme stellen. Der Lenneper Mediziner, 67 Jahre alt und im Ruhestand, hat das Haide Helmut Health Center (HHHC) auf dem Land, im Süden Ugandas nach 2011 mit aufgebaut.

Dabei gibt es von dort eine erfreuliche Nachricht. Mit deutscher und vor allem Remscheider Hilfe kann bald ein weiteres kleines Wohnhaus für die Beschäftigten eingerichtet werden. Die Finanzierung steht. Peinke erfüllt mit Stolz, dass die Unterkunft im April bezogen werden kann. Doch das alles beherrschende Thema vor Ort bei den sieben Krankenschwestern und Pflegern, die die medizinische Versorgung nahe der Bezirksstadt Masaka gewährleisten, ist Corona.

Mit Verzögerung gegenüber Europa hat Uganda dicht gemacht. Der internationale Flugverkehr von Entebbe ist eingestellt. Behörden, Schulen und Restaurants wurden geschlossen, öffentliche Veranstaltungen untersagt. Aus seinen vielen längeren Aufenthalten in Uganda und dem, was er täglich über das Internet in den Medien des Landes verfolgt, weiß er, dass Hygiene, Abstand und Kontaktverbote in Uganda nur schwer greifen. „Sich nicht die Hände zu geben, ist eine Beleidigung“, sagt Peinke und fügt hinzu: „Dass wie bei uns drei Leute nicht mehr draußen zusammenstehen dürfen, würde in Uganda kaum jemand verstehen und sich daran halten.“

Dass der Ernst der Lage erst nicht richtig erkannt wurde, verriet eine Anordnung, dass sich in den ohnehin heillos überfüllten Matatus, den Sammeltaxis in Kleinbus-Format, nicht mehr drei Mitfahrer auf einen Sitz quetschen dürfen, sondern nur noch zwei. Mittlerweile ist das überholt. Der Personentransport ist in ganz Uganda untersagt, auch auf Motorrad-Taxis.

Derweil sind im Land die Preise für Lebensmittel gestiegen, Hamsterkäufe auch in Uganda zu einem Übel geworden. Wie in vielen afrikanischen Ländern schüren Fake News Panik, ärgert sich Peinke. So wird über soziale Medien vorgegaukelt, dass man von aus Europa eintreffender Kleidung die Finger lassen müsse, sie könnte Covid-19 verbreiten.

Die positiven Fälle in Uganda seien über Dubai eingeflogen, sagt Peinke. Einreisende werden 14 Tage unter Quarantäne gesetzt. Oft in Hotels auf eigene Kosten. „Wer dann 100 Dollar pro Nacht zahlen muss, für den ist das wie ein Gefängnis, und er bricht aus.“ Volker Peinke, der einmal jährlich im Januar für vier Wochen in „seinem“ Gesundheitszentrum als Arzt hilft, sorgt sich sehr.

Die Statistik liest sich zwar noch nicht beunruhigend, aber die Dunkelziffer wird hoch sein, glaubt Peinke. Und: „Der Zustand dort ist wie bei uns vor ein paar Wochen. Im Moment ist die Gefahr genauso wenig fassbar wie bei uns im Februar.“ Immerhin seien die Corona-Tests in Uganda kostenlos. Aber: „Massentests sind nicht machbar, das würde den Staat überfordern.“ Was mit dem Gesundheitssystem passiert, wenn sich Corona in Uganda ausbreitet, mag sich Volker Peinke nicht ausmalen: „In Uganda kommt ein Arzt auf 10.000, in Deutschland ein Mediziner auf 42 Einwohner.“

Auch für das HHHC sieht er Schwierigkeiten bei den Diagnosen zukommen: „Denn die Symptome von Corona überdecken sich mit denen von Malaria.“ Malaria ist jährlich mit Abstand Todesursache Nr. 1 in Uganda. In der Subsahara sterben 400.000 Menschen jährlich an der Infektionskrankheit, von der im Moment niemand spricht.