Was uns die Helden von 1945 sagen
Foto: Mahn- und Gedenkstätte
In der Mahn- und Gedenkstätte fand im Herbst 2019 einer der Workshops mit den Schülergruppen aus beiden Städten statt.    
In Düsseldorf und Apeldoorn übergaben mutige Männer ihre Stadt an die Siegermächte und bewahrten sie so vor der Zerstörung. Ein deutsch-niederländisches Austauschprojekt hat die historischen Ereignisse aufgearbeitet.
Von Uwe-Jens Ruhnau

DÜSSELDORF | Welche Hoffnung sollten die Menschen haben im April 1945? Ihre Stadt war in weiten Teilen zerbombt, die Amerikaner standen nicht weit vor Düsseldorf, es drohte die totale Zerstörung. „Verliere niemals die Hoffnung, auch eine kleine Gruppe von Menschen kann viel bewirken.“ Das sagen Schüler aus Düsseldorf und Apeldoorn (Niederlande), der Satz steht auf einem Plakat, das auch sie selbst zeigt. Die jungen Menschen aus einst verfeindeten Ländern halten Buchstaben hoch, zusammen ergeben sie das Wort „Hope“, also Hoffnung.

Auf dem Plakat steht auch „Gemeinsam erinnern“ und „75 Jahre Frieden und Freiheit“. Es ist die Überschrift über einer außergewöhnlichen Kooperation, die auf einer historischen Parallele beruht: In Apeldoorn wie in Düsseldorf sorgten mutige Männer in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1945 dafür, dass ihre Städte nicht von den vorrückenden Truppen der Siegermächte mit brutaler militärischer Macht eingenommen wurden.

In Apeldoorn wurden zwei Widerstandskämpfer aktiv. Gijs Numan und Albert van der Scheur machten sich im Dunkeln auf den lebensgefährlichen Weg zu den kanadischen Truppen, um diese über den Abzug der deutschen Besatzer zu informieren. Die Kanadier nahmen die Stadt, die nicht weit von Arnheim liegt, kampflos ein.

Fast zeitgleich machten sich in Düsseldorf in der gleichen Nacht Karl August Wiedenhofen und Aloys Odenthal auf den Weg zu den amerikanischen Truppen in Mettmann. Sie konnten sie davon überzeugen, dass die Wehrmacht kaum mehr in der Stadt präsent war und boten die kampflose Übergabe Düsseldorfs an. Diese „Aktion Rheinland“ war eine Heldentat, die verraten wurde und fünf der elf Widerstandskämpfer das Leben kostete: Franz Jürgens, Hermann Weill, Theodor Andresen, Josef Knab und Karl Kleppe hatten den Polizeipräsidenten festgesetzt und wurden noch in der Nacht an der Färberstraße hingerichtet. Die friedliche Übergabe der Stadt aber gelang.

„Von der Parallele des Kriegsendes in den beiden Städten wussten wir nichts“, sagt Andrea Ditchen von der Mahn- und Gedenkstätte (MGS). Die Gelre Association International Apeldoorn sei im Mai 2018 auf die MGS zugekommen. Dahinter verbirgt sich eine kleine bürgerschaftliche Initiative, die sich den internationalen Austausch zur Förderung eines friedlichen Miteinanders durch persönliche Kontakte und Austausch auf die Fahnen geschrieben hat. Gemeinsam beschloss man, mehr als nur Gedenkveranstaltungen zu organisieren. Ein Jugendaustausch wurde vereinbart, der in eine kleine Ausstellung münden sollte. Der Mahn- und Gedenkstätte war bewusst, dass die Initiative etwas Besonderes war, immerhin hatten deutsche Truppen 1940 die Niederlande überfallen und bis Kriegsende unterjocht.

Zahlreiche Sponsoren gaben Mittel für das Austauschprojekt: die Euregio Rhein-Waal sowie sechs lokale Unternehmen. 29 Schülerinnen und Schüler des Veluws College Mheenpark in Apeldoorn und des Friedrich-Rückert-Gymnasiums in Düsseldorf bereiteten zunächst die historischen Fakten auf „ihrer“ Seite auf, bei Workshops in beiden Städten fanden Präsentationen statt. Die Projektsprache war Englisch, und gemeinsam diskutierten die Schüler auch, was die Rettungstaten von 1945 für uns heute bedeuten können. „Erhebe deine Stimme: Der Unterschied beginnt mit dir“ steht etwa auf einem ihrer Plakate.

Aus der Teilnahme an Gedenkveranstaltungen wurde für die überaus engagierten Schülerinnen und Schüler wegen der Corona-Krise leider nichts. Ausstellungen soll es in beiden Städten aber noch geben.

„Viele ältere Niederländer tun sich schwer, des Kriegsendes mit Deutschen zu gedenken“, sagt Andrea Ditchen. Den jungen Niederländern seien die Deutschen dagegen relativ egal. Nach dem Projekt habe eine Teilnehmerin aus Apeldoorn gesagt, die Deutschen seien ihr jetzt nicht mehr gleichgültig.