Neuss International
Hasan Kahaj Mohammed fasst mit der Familie in Erfttal Fuß
Christoph Kleinau
Für Spaziergänge zieht es Familie Mohammed gerne an den Norfbach.
Von Christoph Kleinau

In seiner Heimatstadt Aleppo hat sich Hasan Kahaj Mohammed vom Näher zum Schneidermeister für Damenkonfektion hochgearbeitet. Doch Schneider, so muss der kurdische Flüchtling aus Aleppo lernen, werden in Deutschland kaum gebraucht. Als im Bürgerhaus Erfttal, wo sich seine Ehefrau einer internationalen Frauengruppe anschloss, kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie händeringend nach Helfern gesucht wurde, die Mundschutzmasken nähen können, meldete sich Mohammed gerne zur Stelle – und nähte und nähte und nähte. Doch als ihm der SKM als Träger des Bürgerhauses für diesen Eifer wenigstens mit einer kleinen Aufwandsentschädigung danken wollte, winkte er ab. Er tue das für die Gesellschaft.

Im Bürgerhaus, zu dem er vorher keinen Kontakt hatte, ist der 45-Jährige seitdem öfters und gerne zu Gast. Manchmal begleitet ihn eines seiner fünf Kinder, von denen das jüngste im vergangenen Jahr in Neuss geboren wurde. Trotzdem falle es ihm schwer, Kontakte zu knüpfen, sagt Mohammed. Leichter wäre es, wenn er arbeiten dürfte. Aber dazu müsste er mit seinem Sprachkurs weiterkommen, der aber in Corona-Zeiten nicht stattfinden kann.

Die Familie Mohammed floh vor dem Bürgerkrieg in Syrien, lebte zwei Jahre in der Türkei, bevor sie Anfang 2016 nach Deutschland kam. Seit drei Jahren lebt die Familie in einer Wohnung in Erfttal. Ruhig und grün sei es, sagt Mohammed. Seine ältesten Kinder besuchen das Quirinus-Gymnasium, wo sie nach Kurdisch, Arabisch und Türkisch noch Deutsch und andere Fremdsprachen lernen. Ohne Auto, ist der Aktionsradius der Familie eingeschränkt, aber es gibt ja den Park am Norfbach, wo alle gerne spazierengehen. Ein Lieblingsort des Schneiders ist auch der Penny-Markt, wo er gerne einkauft. Aber nur, was ihm seine Frau aufgeschrieben hat. Schön findet er es, wenn er dabei Bekannte trifft. Schön findet er auch den Platz an der Corneliuskirche, wo ein Plakat „Vielfalt statt Einfalt“ fordert. Von dieser Vielfalt möchte er gerne ein Teil sein.    Christoph Kleinau