Keine Fichten mehr im Garather Forst
   RP-Foto: Anne Orthen
Forstverwalter Dankwart von Dörnberg hat durch die Dürre in den vergangenen drei Jahren viele Bäume im Garather Forst verloren.
Drei Jahre Trockenheit und Hitze haben dem Wald geschadet. Aber nicht nur die Nadelhölzer sterben ab, sondern auch die Buchen und die Eichen. Forstverwalter Dankwart von Dörnberg hat massive Ausfälle bei der Holzernte.
Von Birgit Wanninger

GARATH | Überall im Garather Forst stapeln sich die Baumstämme. Mindestens ein Dutzend größere Flächen haben einen Kahlschlag erlitten. Nur noch kleine Äste liegen herum. „Eigentlich müsste ich das alles schreddern, um neu zu pflanzen, aber ich komme mit der Arbeit nicht nach“, sagt Dankwart von Dörnberg, Verwalter vom Gutshof Schloss Garath. In dem Burgdorff’schen Forst gibt es keine Fichten mehr. 5000 Fichten hat der Förster seit Ende Februar gefällt. Sie alle waren krank. Im dritten Jahr der Dürre hätten es die 50 bis 80 Jahre alten Bäume nicht mehr geschafft.

5000 Fichten – und dies sei nur der Anfang, sagt von Dörnberg. Das Holz sei schlecht, weil die Bäume krank waren. Die Stämme können nur noch zu Tierstreu, Spanplatten und Paletten verarbeitet werden. „Da zahle ich zum Teil sogar noch drauf“, sagt von Dörnberg und zeigt auf ein Holzlager, für das er maximal noch sieben Euro pro Festmeter Stammholz bekäme. Vor drei Jahren war es noch das Zehnfache. Und die sieben Euro seien noch ein guter Preis. Bei schlechterem Holz ist es weniger, da muss er sogar für die Abnahme zwei Euro bezahlen. Denn die Lager in den Holzverarbeitungs- und Sägefirmen sind voll. Das drückt – neben der schlechten Qualität – zusätzlich den Preis.

Die trockene Hitze hätten viele Bäume anfangs noch überlebt, so von Dörnberg. Aber drei Jahre hintereinander, das ist zu viel. Und dann kam auch noch der Borkenkäfer im Herbst 2018, der seine Eier im Baum ablegte, in dem er die Baumrinde durchbohrte und sich von den saftführenden Teilen des Baumes ernährte. Normalerweise ist der Käfer kein Problem. Vitale Bäume schließen die Eier mit ihrem Harz ein, so dass der Nachwuchs nicht schlüpfen kann. Wenn die Bäume jedoch anfällig sind, vermehren sich die Tiere rasch, die Rinde fällt einfach ab.

Jetzt ist auch die robuste Lärche betroffen. Bei ihr hat sich der Kupferstecher, ein Verwandter des Borkenkäfers, breit gemacht. Und auch die Douglasien werden es wohl nicht überleben, meint Dörnberg, dann gebe es keinen Nadelwald mehr im Garather Forst.

„Die 40 bis 100 Jahre alten Nadelbäume haben keine Zukunft, es gibt zu wenig Niederschlag“, erklärt er und schaut bei einer Fahrt durch den Forst nach oben, zu den Kronen der Buchen. Auch die sterben wegen der Dürre langsam ab, erklärt er. Zunächst sind die Wurzeln vertrocknet, und der Baum bekommt keinen Saft mehr, nachdem die Wurzeln abgestorben sind. Ein Prozess, der sich bei den einst kräftigen 120 Jahre alten Buchen nicht aufhalten lässt. „Und danach kommen die Eichen“, prognostiziert der Forstwirt verbittert. Auch dort sind schon erste Kronen trocken und ohne Grün.

Es muss neu gepflanzt werden, „aber ich weiß nicht, wo die Reise hingeht.“ Ein Baum sei anders als eine Getreideart, wo man nach ein, zwei Jahren weiß, ob er bei den klimatischen Veränderungen überlebt. Bei Bäumen dauere dies Jahrzehnte. Er will es mit Akazien versuchen, die kommen mit der Trockenheit gut zurecht, sind aber nicht im Förderprogramm des Landwirtschaftsministerium NRW enthalten.

Doch von Dörnberg lässt sich nicht unterkriegen. Er hat Sämlinge von Eichen und Buchen gezogen und eingepflanzt. Gut die Hälfte ging verloren. Aber der Förster gibt nicht auf. Er hat zahlreiche Schutzmaßnahmen getroffen, damit das Wild nicht an die jungen Stecklingen und Bäumchen geht. Ein Verbiss-Schutzmittel hat er selbst gemischt, und jedes Bäumchen damit eingerieben. An die klebrige Substanz geht das Rehwild nicht dran.

Im dritten Jahr beschäftigt er sich nun mit der Neuanpflanzung, und der Erfolg ist spärlich, weil es zu trocken ist. Jeden Sonntag fährt er, unterstützt von seiner Frau, mit einem 1500-Liter-Tank zu den Schonungen, um die jungen Triebe zu gießen. „Eine Heidenarbeit“, sagt er, und er glaubt, dass die Krise noch lange nicht zu Ende ist. Das dritte Jahr sei jetzt das schlimmste, weil die Natur keine Reserven mehr hat. Er blickt auf den Stapel mit abgeholzten Fichtenstämmen. „Da kommen nicht mehr viele zurück“, meint von Dörnberg. „Aber wer weiß, wie es weitergeht.“