Weiter Proteste am Tagebaurand
Foto: Roberto Pfeil/dpa
Polizisten bewachen am Tagebaurand den Abriss der Landstraße 277 zwischen Keyenberg und Lützerath.    
Polizei nimmt bei Erkelenz-Keyenberg zwischen 20 und 30 Leute in Gewahrsam.
Von Michael Heckers

KEYENBERG | (hec) Etwa 50 Aktivisten haben nach Angaben der Polizei am Mittwoch den Protest gegen den Abriss der Landstraße 277 zwischen Keyenberg und Lützerath für den Braunkohletagebau Garzweiler fortgesetzt. Weil sich einige von ihnen auf einen Bagger zu bewegten, sperrten Polizisten den Bereich ab, um zu verhindern, dass wie am Vortag wieder jemand auf einen Bagger klettern und die Abrissarbeiten unterbrechen konnte.

Polizeisprecherin Petra Wienen sagte gegenüber unserer Redaktion, dass sich die Personen dann zunächst auf der Sandpiste des abgetragenen Asphalts der L277 aufhielten und später auf eine Abraumhalde setzten, womit sie die Arbeiten des Tagebaubetreibers blockierten. Die Polizisten sprachen daraufhin Platzverweise aus, denen nicht alle Aktivisten nachgekommen seien. „Wir haben zwischen 20 und 30 Personen vorübergehend in Gewahrsam genommen“, erklärte Polizeisprecherin Wienen. Insgesamt sei der Protest friedlich verlaufen.

Die Proteste gegen den Abriss der L277 in Keyenberg begannen am Wochenende, nachdem Tagebaubetreiber RWE den Abriss der Straße angekündigt hatte. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet sich der Tagebau nach Westen vor und erreicht in wenigen Wochen die betroffene Straße. Die Abrissarbeiten sollen bis September dauern, die Polizei hat angekündigt, für die gesamte Dauer der rund sechswöchigen Bauarbeiten stets präsent zu sein.

Die Landstraße 277 wird von Kohlegegnern in den von Umsiedlung betroffenen Dörfern als eine Art Grenze zum Tagebau Garzweiler verstanden, die die Braunkohlebagger nicht überschreiten sollen. Hinter der Straße liegen mit Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich, Berverath und Lützerath noch sechs Dörfer, die für die Braunkohle abgebaggert werden sollen.

Bereits am Dienstag hatte die Polizei nach Protesten fünf Aktivisten in Gewahrsam genommen. Die Behörde teilte mit, dass gegen sieben Beteiligte wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs ermittelt wird. Polizeisprecherin Wienen berichtete, dass ein Mann am Dienstag versucht hatte, bei den laufenden Abrissarbeiten auf eine Maschine zu steigen. Nach Angaben der Polizei hatte auch am Montag ein Mann vorübergehend einen Abrissbagger besetzt.