Neue Tablets für den Spaß am Lesenlernen
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Amelie (l.) und Lara mit ihrer Lesepatin Annemarie Horsch. Sie gehören zu den ersten Acht, die mit den Mentor-Tablets schmökern und lernen.   
Corona trifft viele hart – auch die Kinder. Seit Monaten gab es keine Leseförderung des Vereins Mentor für die Grundschüler. Jetzt sollen Tablets die Kinder und ihre Lesepaten wieder zusammenbringen.
Von Petra Diederichs

Für Amelie ist es klar, warum Lesen wichtig ist: „Damit ich die Klasse nicht wiederholen muss“, sagt die Neunjährige. Sie hat keine Probleme, Texte fließend zu lesen. Zusammen mit  Annemarie Horsch macht es der Schülerin sogar richtig Spaß. Seit einem Jahr sind beide ein Team:  Die 66-Jährige ist die Lesepatin von Amelie –  und inzwischen auch von deren Freundin  Lara (10). Einmal in der Woche treffen sich Mädchen und Mentorin in der Schule, um eine Stunde lang miteinander zu lesen, mit Buchstaben, Worten und Sprache zu spielen. Doch seit Corona geht das nicht mehr. In den Schulen findet nichts statt. Eine Einschränkung, die Lese-Kinder und den Paten bedauern. Jetzt hat der Verein Mentor mit Unterstützung der Bürgerstiftung 20 Tablets angeschafft, mit dem die Lesestunden digital fortgesetzt werden.

Die Zahlen sind alarmierend: Jedes fünfte Kind kann laut einschlägiger Studien nicht lesen. Die am Mittwoch veröffentlichte Bertelsmann-Studie geht davon aus, dass in Deutschland 2,6 Millionen Kinder unter der Corona-Krise leiden. „Das war für uns ein Grund, schnelle  Unterstützung für Mentor zuzusichern“, sagt Anja Spicker, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, die die Tablets finanziert.

„Mentor  –  Die Leselernhelfer“ ist eine bundesweite Initiative von Freiwilligen, die Lese- und Sprachkompetenz von Kindern verbessern möchten. Deutschlandweit gibt es sie seit 2003, inzwischen sind es rund 90 Vereine mit 12.500 Ehrenamtlern. Der Krefelder Verein hat sich 2015 unter dem Vorsitz von Annekathrin Koch gegründet. 80 Lesepaten betreuen hier etwa 100 Kinder.  „Es geht natürlich um die Förderung der Kompetenzen, damit die Kinder später bessere Chancen in der Berufswelt haben. Aber wir wollen auch den Spaß am Lesen wecken“, sagt Vorstandsmitglied Helga Krall. Und das funktioniert mit den Tables offenbar sehr gut.

Die ersten acht Kinder sind bereits für die Pilotphase mit Digitalgeräten ausgestattet worden. Amelie und Lara beherrschen die Bedienung und finden Tablets auch weitaus spannender als Bücher.  „Wir haben die Videoplattform Zoom, über die Kinder und Paten miteinander reden können, und wir haben Lizenzen für Onilo“, so Krall. Der Online-Dienst fü mediengestütztes Unterrichten bietet Kinderbücher für verschiedene Altersstufen, auch Spiele und die Sendung mit der Maus – die passenden Lernprogramme für die Grundschüler.

Fürs Surfen im weltweiten Netz sind die Tablets gesperrt, aber die Kinder können eigenständig Bücher auswählen und lesen – und dabei eine Welt entdecken, wünschen sich die Leseförderer. Janoschs Klassiker „O wie schön ist Panama“ hat Amelie besonders gut gefallen; Lara war beeindruckt von einem Text über die Länder der Europäischen Union. Dabei hat sie „richtig lange Sätze und viele Fremdwörter“ gelernt.

Den Mentoren ist es wichtig, dass die Kinder ihren eigenen Interessen folgen, spielerisch an Lerninhalte gehen – kurzum: selber auf den Geschmack am Lesen und Sprechen kommen. Die Stunden mit den Paten finden immer in der Schule statt, nicht im privaten Bereich – auch wenn über die lange Zeit oft eine innige Beziehung entsteht. Die Kinder für die Progarmme schlagen die jeweiligen Lehrer  vor.

„Wir hoffen, dass es nach den Schulferien wieder normal laufen kann“, sagt Koch. In den Ferien sollen die Tablets die Zeit überbrücken. Und einiges wird sicher noch digital fortgesetzt, auch zum Schutz der Paten, die älter sind und noch keinen direkten Kontakt möchten.

Mentor sucht Unterstützer. Wer Lesepate werden möchte, kann sich melden über info@mentor-krefeld.de;  Auch Spenden sind willkommen. Infos unter www.mentor-krefeld.de