Corona-App soll zuverlässiger warnen
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Die Corona Warn-App wurde bisher in Deutschland mehr als 16 Millionen Mal heruntergeladen.   
Seit Mitte Juni konnten die Bürger die App für einen besseren Schutz gegen die Pandemie laden, doch auf eine Schwachstelle wurde nicht hingewiesen. Jetzt soll alles besser werden. Manche Politiker sind aber erst mal verärgert.
Von Reinhard Kowalewsky

BERLIN | Markige Sprüche zu einem großen und sinnvollen Projekt: So startete die Corona-App am 16. Juni. Schon am nächsten Tag war die Software sensationelle 6,5 Millionen Mal geladen worden, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) war begeistert: „Das sind weit über sechs Millionen Gründe, warum das Coronavirus künftig weniger Chancen hat“, sagte er. Jeder einzelne, der die App nutze, mache einen Unterschied.

Fünf Wochen später ist die App auf mehr als 16 Millionen Handys installiert, aber eine von „Bild“ enthüllte Panne sorgt für Unruhe: Aus technischen Gründen sind anscheinend mehrere Millionen
Smartphones von Samsung und Huawei aus Energiespargründen so eingestellt, dass Nutzer die Warnung vor einer denkbaren Infektion nur bekommen, wenn der Nutzer die App aktiv aufruft. Auf den anderen Geräten wie iPhones von Apple ist die App dagegen so installliert, dass sie jederzeit aktiv ist. Dann erhält sie die Warnungen jederzeit und informiert den Nutzer auch sofort.

Das entscheidende Problem ist aber, dass die Nutzer über die Schwäche ihrer Geräte nicht offensiv aufgeklärt wurden. „Das hätte besser laufen müssen“, sagt Thomas Kutschaty, SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag. Man hätte die Bürger über das Problem informieren müssen, damit die Menschen mit den betroffenen Geräten die App dann eben immer wieder extra aufrufen, um eventuelle Warnungen mitzubekommen.“ Auch Bernd Reuther, FDP-Bundestagsabgeordneter aus Wesel ist empört: „Da wäre Klartext nötig gewesen. Die Bundesregierung hätte proaktiv handeln müssen.“

Dabei wurde das Problem zum großen Teil am Donnerstag gelöst. Nach einer Aktualisierung der App können die Nutzer sie anscheinend nun so einstellen, dass sie auch ohne aktives Anwählen immer im Hintergrund läuft. Als Ergebnis erfährt der Nutzer dann jederzeit, dass es eventuell ein Risiko gibt.

Das Warnsystem rund um die Corona-App hat drei Teile: Als Basis sendet das Smartphone per Funktechnik Bluetooth laufend anonyme Codes aus, die von anderen Smartphones mit der Corona-App gespeichert werden, sofern es eine relativ lange Annäherung an ein anderes Gerät mit Corona-App gab.

Falls ein Nutzer von einem Arzt oder Labor erfährt, dass er infiziert ist, gibt er dies über einen speziellen Code in sein Smartphone ein. Daraufhin bekommen alle Nutzer der Corona-App, die genau diesem Nutzer in den vergangenen zwei Wochen relativ nah gekommen waren, eine Warnung, es könne sein, dass sie sich infiziert haben. Sie erfahren aber nicht, wer ihnen das mögliche Risiko bescherte. „Das ist ein schlaues System“, sagt Achim Berg, Präsident des Bitkom-Verbandes, „wir können mit der App zwar keine Infektion direkt erkennen. Aber viele Menschen können erfahren, dass sie sich möglicherweise angesteckt haben.“ Warum das nützt? „Im Fall des Falles kann ich mich vorsorglich erst einmal selber von Kontakten zurückhalten, um Kollegen oder Freunde zu schützen, bis ich mich habe testen lassen. Und umgekehrt profitiert jeder einzelne, falls sich sein Umfeld mit der App über ein mögliches Infektionsrisiko informiert.“

Zu viel sollte keiner erwarten. Etwa 16 Millionen Downloads sind zwar eine große Menge, doch die große Mehrheit der rund 80 Millionen Bundesbürger nutzt das digitale Warnsystem noch nicht. Als Ergebnis kann die App logischerweise nur vor einem Teil der möglichen Infektionen warnen. „Es sollten noch viel mehr Bürger die App laden“, sagt FDP-Mann Reuther. Er rät dazu, dass Nutzer mit Samsung und Huawei-Smartphones die Einstellungen ihres Gerätes überprüfen und die Software aktualisieren. „Es ist ja im Interesse der Menschen, dass alles gut funktioniert.“

29 der 30 Dax-Konzerne haben erklärt, die App zu unterstützen, darunter aus NRW die Post, die Telekom (die die App mit SAP entwickelte) oder auch Henkel, RWE und Eon. Warum? Sie wollen das Infektionsrisiko senken.