Mensch & Stadt
Die „Jungen“ haben ihre eigenen Pläne
NGZ-Foto: ati
„Drei von sieben“: (v.l.) Jan di Benedetto, Tanja Ragunathan und Katharina Lueg vor der Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Neuss an der Sternstraße.
Die Neusser Bürgerstiftung (Bü.Ne) möchte auch junge Leute an ihre Aufgaben heranführen. Doch das sollen sie ganz selbständig machen. Daher gibt es seit einigen Monaten eine Jugendabteilung, die „Junge Bü.Ne“.
Von Anneli Goebels

NEUSS | Ideen gab es genug, doch Corona bremste sie zunächst aus, denn die aktuell noch sieben Mitglieder der „Jungen Bürgerstiftung“ hatten, kaum gegründet, fast keine Möglichkeit mehr, sich zu treffen. Doch natürlich klappte der Info-Austausch über Video. Und schnell waren es zwei Projekte, die so keiner auf dem Schirm hatte: zum einen der Further Gabenzaun, zum anderen Schutzmasken spenden.

800 Meter Gummiband wurde der Bürgerstiftung gespendet, und die wollten verarbeitet werden. „Unterstützt hat uns bei dem Masken-Projekt der Verein Puzzle-Frauen“, sagt Jan di Benedetto (21), der Vorsitzende der „Jungen Bü.Ne“, die aktuell nur aus Schülern und ehemaligen Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums besteht. Das hat einen Grund: Denn dort ist die Carl-Steins-Studienstiftung etabliert, die finanziell schwache Schüler unterstützt. Enkel Dieter Steins gehört zum Vorstand der Neusser Bürgerstiftung und hat an der Schule fleißig die Werbetrommel gerührt.

Doch sieben Mitglieder sei eben nur ein Anfang. „Wir wollen jetzt möglichst schnell einen Flyer fertig stellen, in dem wir uns vorstellen“, sagt Tanja Ragunathan (18). Auch eine eigene Website soll für weitere Popularität sorgen. Die Mund-Nasen-Schutzmasken jedenfalls sind in den Seniorenheimen Haus Nordpark und Immaculata gut angekommen. Versorgt werden konnten damit auch die Teilnehmer der Ferienaktion „Spaß im Gras“.

Was können wir machen, um Neuss positiver zu gestalten? Das ist die Frage, die im Mittelpunkt der Überlegungen und Projekt-Planungen steht. Dafür steht den „Jungen“ auch ein eigenes Budget zur Verfügung, dennoch sind Spenden immer willkommen. Einer ihrer Unterstützer ist der Neusser Jan Lukas Waibel, bekannt geworden durch den „Porzhook“ aus dem 3D-Drucker. Der Türhaken hilft beim Türe öffnen, kann aber auch im Fahrstuhl oder an der Ampel verwendet werden. Sein Vorteil: Man braucht Türklinken nicht mehr direkt anfassen, ebenso wenig Schalter oder Knöpfe.

Weiter erfolgen wollen die „Jungen“ einen nachhaltigen Kaffeebecher mit flottem Design, aus dem auch junge Leute gern ihren Kaffee schlürfen wollen. Auch über Projekte in Zusammenhang mit der Rassismus-Debatte diskutiert die kleine Gruppe. Mit einer Idee, die Jan di Benedetto, aber noch nicht verraten möchte, wollen sie sich bald an Bürgermeister Reiner Breuer wenden. Dass die „Alten“ sie sozusagen in Ruhe lassen, heißt, ihnen nichts aufdrängen wollen, findet auch Katharina Lueg (18) gut. „Was aber nicht heißt, dass sie uns nicht unterstützen. Wir können immer um Rat fragen und uns Tipps holen“, sagt sie.

2008 wurde die Bürgerstiftung Neuss gegründet, elf Jahre später die Jugendabteilung. „Aus meiner beruflichen Laufbahn weiß ich, dass die besten Ergebnisse durch eine Mischung aus älteren und jüngeren Menschen zu erwarten sind. Organisationen wie unsere bedürfen der ständigen Aktualisierung, Flexibilität und einem Ohr an den Bedürfnissen der jungen und alten Bürger unserer Stadt“, sagt Bärbel Kremers-Gerads, Vorsitzende der Bürgerstiftung. Frische und neue Ideen träfen auf Kontinuität und Bewährtes, fährt sie fort, und betont, dass die Bü.Ne schließlich eine Bürgerstiftung für alle Generationen sei. „Die jungen Menschen können die Organisation kennenlernen und sich ausprobieren. Es ist eine Win-Win-Situation“, betont Kremers-Gerads. Jan, Tanja und Katharina und ihre vier „Kollegen“ jedenfalls sehen ihre Aufgabe als etwas Besonderes an und auch als Chance, sich weiter zu entwickeln.