Die Zukunft des Sports in Meerbusch
   Archivfoto: faja
Der Handballsport ist besonders beliebt in Meerbusch. Das Archivbild zeigt die Damenmannschaft des TuS Treudeutsch 07 Lank.
Darüber haben bei einer Podiumsdiskussion die sechs Bürgermeisterkandidaten diskutiert. Eingeladen hatte der Stadt-Sport-Verband.
Von Christoph Baumeister

OSTERATH | Wie ist Meerbusch als Sportstadt aufgestellt? Und was würde das neue Stadtoberhaupt für die Vereine tun? Das diskutierten nun im Vorfeld der Kommunalwahlen am 13. September die sechs Meerbuscher Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium in der Aula der Realschule Osterath: Christian Bommers (CDU), Michael Billen (SPD), Karl Trautmann (FDP), Marco Nowak (Linke), Thomas Dzulko und Marcel Winter (beide parteilos).

Der Stadt-Sportverband (SSV) Meerbusch hatte dazu alle 49 Sportvereine aus dem Stadtgebiet eingeladen. Etwas mehr als ein Drittel von ihnen entsandte Vertreter, zudem nahmen auch Dominik Steiner, Geschäftsführer des Kreis-Sportbundes Neuss, Erster Beigeordneter Frank Maatz und Ute Piegeler, Fachbereichsleiterin Schule, Sport und Kultur bei der Stadt, teil. Stellvertretender SSV-Vorsitzender Peter Dietz moderierte die Diskussion.

Der Sport ist ein Aushängeschild Meerbuschs, die Vereine haben eine wichtige integrative Funktion – darin waren sich alle Beteiligten einig. Wie man das aktuell drängendste Problem angehen könnte – die fehlenden Hallenkapazitäten – oder aber andere große Themen wie die Modernisierung vorhandener Sportstätten, den Bau neuer Hallen oder gar einer zentralen Sportanlage in Meerbuschs Mitte, dazu wollte sich keiner der sechs Bewerber festlegen.

Thomas Dzulko (parteilos) sind vor allem die unmodernen Sporthallen ein Dorn im Auge. „Die sanitären Anlagen sind teilweise eine Zumutung“, sagte der 55-jährige Strümper. Er plädierte dafür, eine Mehrzweckhalle an zentraler Stelle zu bauen, um diese sowohl für sportliche als auch für kulturelle Zwecke zu nutzen. Zudem möchte er das digitale Angebot ausbauen. „Viele Menschen wollen Sport mit Gleichgesinnten treiben, ohne einem Verein beizutreten. In dieser Hinsicht gibt es enormen Nachholbedarf“, so Dzulko.

CDU-Kandidat Christian Bommers ist eine offene Diskussion mit den Vereinsvertretern wichtig, um den genauen Bedarf zu ermitteln. „Im Vergleich zu anderen Kommunen sind wir in Meerbusch gut aufgestellt, doch manche Stadtteile sind unterversorgt, was die Hallenkapazitäten angeht“ sagte der 43-jährige Osterather. Als neuer Bürgermeister würde er sich für noch mehr Bewegungsparks im Freien in Kooperation mit Vereinen einsetzen. Auch das Radwegenetz solle ausgebaut werden.

Karl Trautmann (FDP) regt an, das bereits vorhandene Potenzial besser auszuschöpfen. „Vielerorts ist die technische Ausstattung nicht mehr zeitgemäß, dort muss man zuerst investieren“, so der 60-jährige Büdericher. Er will zudem die Mädchen- und Frauen-Mannschaften stärker fördern, diese seien in Meerbusch stark unterrepräsentiert. Weiter Ideen: Mit einem von der Stadt finanzierten Bus-Shuttlesystem könnte man Kinder und Jugendliche dazu bewegen, nicht nur im eigenen Ort, sondern auch in anderen Stadtteilen Sport zu treiben. Zudem will er sich dafür einsetzen, dass alle Meerbuscher Kinder bis zum zehnten Lebensjahr Schwimmen lernen.

Michael Billen (SPD) sieht die Stadt in Sachen Sport hervorragend aufgestellt. „Ich kann nicht viel Negatives finden“, sagte der 56-jährige Lank-Latumer. Welcher Bedarf seitens der Vereine bestehe, sei vor zwei Jahren im Sportstättenentwicklungsplan ermittelt worden. Dieser sei eine gute Basis für weitere Schritte. Zum Thema zentrale Sportstätte äußerte er Bedenken: „Für die Stadt wäre ein solcher Ort für Großveranstaltungen sehr attraktiv. Im Vorfeld ist jedoch eine klare Abstimmung zwischen Verwaltung und Vereinen notwendig. Sonst geht die ganze Planung nach hinten los“, betonte Billen.

Marcel Winter (parteilos mit Unterstützung der Grünen) macht sich für eine bessere strategische Planung des Sportangebots und der Sportstätten stark. „Der Bau der neuen Leichtathletikanlage in Osterath wurde vor 13 Jahren beschlossen und wird jetzt erst in die Tat umgesetzt. Das darf nicht so lange dauern, denn in einem solch langen Zeitraum ändern sich die Bedürfnisse der Menschen wieder“, sagte der 38-jährige Nierster. Mit dem erwarteten Zuzug vieler junger Familien in den nächsten Jahren sei der Sportstättenentwicklungsplan von 2018 beispielsweise längst überholt. Desweiteren will Winter die Ehrenamtler mehr fördern: „Deren Wertschätzung ist zu gering.“

Marco Nowak, Kandidat der Linken, sieht Meerbusch im Bereich Sport gut aufgestellt. „Natürlich gibt es Luft nach oben. Zwei Hallen fehlen mindestens, um der großen Nachfrage gerecht zu werden“, sagte der 36-Jährige. Seiner meinung nach sei es wichtig, die Zusammenarbeit der Vereine zu fördern. „Dadurch können Synergien geschaffen werden.“ Weiterer Vorschlag: Um noch mehr Kinder zum Sport zu bewegen, sei bei der Einschulung ein Jahr Gratismitgliedschaft in einem der 49 Vereine im Stadtgebiet denkbar.