Mensch & Stadt
Initiative für sportlichere Kids
NGZ-Foto: woi
Beider Vorstellung des Projektes im Clubhaus von Blau-Weiss Neuss (v.l.): Hermann Gröhe, Dieter Welsink, Philipp Hemmrich, Karen Perk, Josef Zanders, Maria Weyermann, Benedikta Mönchmeier und Hans-Jürgen Petrauschke.
Das Modellprojekt „KidS²“ soll Kindern zu mehr Bewegung und besserer Gesundheit verhelfen.
Von Hansgeorg Marzinkowski

RHEIN-KREIS | Die Notwendigkeit des Projekts ist unbestritten: Nur 22 Prozent der Mädchen und 29 Prozent der Jungen erreichen die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Bewegung von mindestens 60 Minuten körperlicher Aktivität am Tag. In einer Welt zunehmender digitaler Präsenz dürfte sich dieser Wert eher verschlechtern.

In einer Untersuchung beim Rhein-Kreis Neuss nach dem Deutschen Motoriktest, der die motorischen Fähigkeiten von Sechs- bis 18-Jährigen bewertet, schnitten sogar 26 Prozent unterdurchschnittlich ab, zehn Prozent litten unter Adipositas (starkes Übergewicht). „Als wir dieses Problem erkannten, sind wir initiativ geworden“, sagt Dieter Welsink, geschäftsführender Gesellschafter der Neusser medicoreha-Unternehmensgruppe. „Aber ohne Netzwerk geht das nicht.“ Damit stieß er allenthalben auf offene Ohren.

Bei einer Vorstellung des Projektes im Clubhaus von Blau-Weiss Neuss waren am Dienstag Karen Perk, die Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Benedikta Mönchmeier vom Lukaskrankenhaus des Rheinland-Klinikums, Josef Zanders, Netzwerkkoordinator für Schulen und Talentförderung beim Rhein-Kreis, sowie Professorin Maria Weyermann von der Hochschule Niederrhein vertreten. Sie begleitet das Projekt wissenschaftlich.

Der ebenfalls anwesende Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe, von 2013 bis 2018 Bundesgesundheitsminister, sagte zur Eröffnung: „Die Gesundheit der heranwachsenden Generationen zu fördern, ist eines der wichtigen Ziele der Gesundheitspolitik. Wir wollen mehr Menschen, die lange arbeiten, und dennoch gesund ihre Rente erreichen. Bewegungsmangel und Rauchen sind die größten Gesundheitsrisiken. Um das nachhaltig zu ändern, muss man bei den Kindern beginnen.“

Auch für die Deutsche Rentenversicherung spielt die Kinder-Rehabilitation eine große Rolle und ist als Pflichtleistung anerkannt. „Wenn dieses Projekt dazu dient, die Kinder-Rehabilitation in den Köpfen zu etablieren, ist viel geschafft.“ Es gehe nämlich nicht darum, Kinder zu stigmatisieren, sondern zu motivieren.

Die Ärztin Benedikta Mönchmeier berichtete, dass chronische Erkrankungen bei Kindern zunehmen. „Diese Kinder abzuholen und zu betreuen, das ist ein neuer Weg.“ Dabei bevorzugt sie die ambulante vor der stationären Rehabilitation. Genau da setzt die Neusser medicoreha an, deren Projekt Philipp Hemmrich, Geschäftsführer bei der Welsink Rehabilitation, vorstellte. Die ambulante Kinder-Reha erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Monaten, der eine Nachsorge von ebenfalls drei Monaten folgt. Wichtig sei bei der ambulanten Reha der Einbezug von Ärzten, Eltern und Schule von Anfang an.

Josef Zanders berichtete von den Schwierigkeiten, zu Coronazeiten das Projekt an den Schulen einzuführen. „Die Lehrer haben im Moment andere Probleme. Das Projekt ist aber so sinnvoll, dass man auch mit einer zeitlichen Verzögerung leben kann.“ Das war auch im Sinne des Landrates. „Wir fördern den Leistungssport, wollen aber auch die Gesamtgesundheit im Blick halten. Wenn dieses Projekt zugleich Vorbildfunktion für alle Regionen in Deutschland hat, freut mich das umso mehr“, sagte Hans-Jürgen Petrauschke.

Info
Förderung durch Bundesministerium

Das Modellprojekt „KidS²“ wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen des Programms „Innovative Wege zur Teilnahme am Arbeitsleben – rehapro“ gefördert.

Ziel Gesundheitliche Beeinträchtigungen sollen minimiert oder beseitigt werden.