Der Holzstiftmacher von Lüttelforst
RP-Foto: buschkamp
Das Holz einer abgerissenen Brücke über die Schwalm wurde für eine Stifte-Edition verwendet.    
Erich Grünig hat ein Faible für ungewöhnliche Hölzer. Was der 68-Jährige in seiner kleinen Kellerwerkstatt aus alten Hausbalken oder Bierfässern fertigt.
Von Daniela Buschkamp

SCHWALMTAL | (busch-) Wer Erich Grünig eine Freude machen will, schenkt ihm ein Stück Holz. Etwa einen alten Balken oder  ein Stück von einem  Bierfass. Das bleibt bei dem 68-jährigen Lüttelforster nicht in der Ecke liegen, sondern wird in seiner Kellerwerkstatt weiterverarbeitet – zu Kugelschreibern, Füllern oder Salz- und Pfeffermühlen. „Ich bin durch Zufall auf dieses Handwerk gestoßen. Es hat mein Leben verändert“, sagt der 68-jährige Grünig. „Schade, dass ich erst so spät darauf gekommen bin.“

Ein  Stück Holz mit Geschichte kann ihn begeistern, stets ist er auf der Suche nach ausgefallenen Hölzern. Seine jüngste Edition an Kugelschreibern und Füllern hat Erich Grünig aus den Balken einer Brücke über die Schwalm in Lüttelforst geschaffen. Um etwas von diesem Holz nutzen zu können, hat er die Erlaubnis bei der Gemeindeverwaltung eingeholt.

20  Jahre hat Grünig als Gerichtsvollzieher gearbeitet, gab diese Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 2000 auf. „Danach habe ich alles Mögliche gemacht, habe beim Schlüsseldienst gearbeitet, war Paketbote“, erzählt der Lüttelforster. Per Zufall habe er  die Schmuckherstellung für sich entdeckt, fertigte aus altem Silberbesteck etwa Ringe. Dies brachte er sich selbst bei, richtete sich in seiner Wohnung eine kleine  Schmuckwerkstatt ein, in der er auch noch heute arbeitet. Seine Produkte verkauft er bei Kreativmärkten. Doch inzwischen schlägt sein Herz auch für ein anderes Material: Holz.

Eine gute Stunde benötigt Erich Grünig, um aus einem Stück Holz einen Stift zu sägen, zu drechseln, ihn zu polieren und mit Applikationen aus Metall zu versehen. Großen Wert legt der Lüttelforster auf die Applikationen. Für Hundefreunde gibt es einen Knochen am Stift. Wer es maritim mag, erhält ein entsprechendes Muster. Ob Korallenholz oder deutsche Eiche: In seiner Werkstatt schafft Erich Grünig Unikate für all diejenigen, die gern mit einem außergewöhnlichen Stift schreiben wollen.

„Meine Stifte verkaufe ich bei Kunsthandwerkermärkten, etwa im Brückenkopfpark Jülich oder auf Schloss Beek“, so Grünig. Wegen der Corona-Pandemie seien zwar viele Märkte abgesagt worden. Doch an der Ostsee habe er Alternativen gefunden, dort „zwei Wochen Arbeitsurlaub“ gemacht, erzählt der 68-Jährige. Und, natürlich, auch Holz gefunden.

Info www.derstifteshop.de