Karneval im Erkelenzer Land vor dem Aus
RP-Foto: Jürgen Laaser (Archiv)
Ob es 2021 einen Rosenmontagszug in Erkelenz geben wird, ist derzeit völlig offen. Im Bild der stellvertretende EKG-Vorsitzende Helmut Jopen.    
Bei „Hei on Klei“ in Gerichhausen wird es 2021 keinen Sitzungskarneval geben. Der Wegberger Rosenmontagszug steht auf der Kippe.
Von Gabi Laue und Michael Heckers

ERKELENZER LAND | Nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn angedeutet hat, dass er sich mitten in einer Pandemie nicht vorstellen könne, Karneval zu feiern, machen erste Karnevalsvereine aus der Region Nägel mit Köpfen. Die Dorfgemeinschaft „Hei on Klei“ Gerichhausen sagt sämtliche Veranstaltungen für die Session 2020/21 ab. „Weil überhaupt nicht absehbar ist, wie sich die Verbreitung des Coronavirus weiter entwickeln wird, haben wir uns schweren Herzens entschlossen, alle karnevalistischen Veranstaltungen bereits jetzt abzusagen“, sagt Hei-on-Klei-Vorsitzender Rudi Babka. Somit hätten sowohl sein Verein als auch die Künstler und Vereine, die bei „Hei on Klei“ normalerweise zu Gast sind, Planungssicherheit. Damit wird es 2021 weder den Altweiber-Ball noch die Mallorca-Party oder die Galasitzung geben – drei Großveranstaltungen, die in den Vorjahren jeweils mehrere Hundert Leute ins Festzelt am Ottenhof gelockt haben. Auch die Herrensitzung und das Biwak fallen aus. „Die geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen umzusetzen, ist bei einer solchen Zeltveranstaltung nicht möglich“, sagt Rudi Babka.

Auch bei der Wegerger KG „Flöck op“ ist man skeptisch. Er könne sich nicht vorstellen, dass 2021 ein Rosenmontagszug durch Wegberg rollen wird, sagt Vorsitzender Thorsten Kappes. „Dann müssten wir auch organisatorisch schon viel weiter sein“, erklärt er. Dass das Biwak und die Altweiberparty stattfinden, hält Kappes ebenfalls für unwahrscheinlich. Mit Blick auf die beiden Veranstaltungen im Forum Wegberg möchte sich „Flöck op“ noch nicht auf eine Absage festlegen. Hintergrund ist, dass für die Damensitzung und die Kostümsitzung Verträge mit Künstlern geschlossen wurden und der Verein sich möglicherweise Schadensersatzforderungen einhandelt, wenn er selbst absagt. Darum wartet man auf einen Erlass des Landes, der laut Kappes als „höhere Gewalt“ zu werten sei und dem Verein die Möglichkeit bieten würde, kostengünstig aus Verträgen herauszukommen.

Bei der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft hat der Vorstand entschieden, alle Veranstaltungen bis Ende 2020 abzusagen. Die Sessionseröffnung am 11. November fällt aus. „Wir warten ab, wie sich die Lage entwickelt, und werden im September neu beraten“, erklärt EKG-Vorsitzender Heinz Baltes. Auch er verweist auf geschlossene Verträge und das Thema „höhere Gewalt“. Ob es 2021 einen Rosenmontagszug in Erkelenz geben wird, ist nach Angaben von Heinz Baltes „derzeit völlig offen“.

„Alles in der Schwebe“ ist auch in Hückelhoven und Wassenberg. „Wir sind in der Entscheidungsfindung“, sagte 2. HKG-Geschäftsführer Herbert Bonczjk. „Bei einem Treffen aller Vorstände der sieben Karnevalsvereine in Hückelhoven wollen wir beraten, wie wir feiern oder nicht, und eine gemeinsame Linie finden.“ Dabei hilft der Austausch über Konzepte bis in den Raum Mönchengladbach und Viersen am „virtuellen Stammtisch der Karnevalisten“. Sie beraten seit Monaten in Videokonferenzen über die Probleme. Bonczjk ist bei der HKG „Beauftragter für die Weiterentwicklung von Karneval unter Corona-Bedingungen“. Für Sitzungen in der Mehrzweckhalle Hückelhoven hegt er Bedenken: „Wenn nur 150 Leute an Tischen mit 1,50 Meter Abstand sitzen, ist das finanziell sportlich, und Stimmung kommt auch nicht unbedingt auf.“

„Die Verträge stehen, die Sitzung auch“, berichtet Thomas Windeln, 2. Vorsitzender der KG „Kongo“ Wassenberg. Der Vize-Präsident und seine Frau Gabi sollten als Prinzenpaar im Mittelpunkt der Session stehen. Doch wie sieht die aus? „Wir warten auf eine Verordnung von Vater Staat, ob wir feiern dürfen“, so Windeln. Kongo habe viele Tanzgarden, die auch trainieren, doch sonst „müssen wir alles kaufen“. Es wäre ein Verlust von mehreren Tausend Euro, wenn die Gesellschaft eine Absage des Saalkarnevals ohne Verbot beschließen würde und Gagen aus eigener Tasche zahlen müsste. Die Marschrichtung wird in einer Vorstandssitzung am 11. September ausgelotet.

Landrat Stephan Pusch hält die Absage von Karnevalsveranstaltungen für vernünftig, auch zu diesem frühen Zeitpunkt. Die Vereine benötigten Planungssicherheit, die es nicht gebe. „Ich liebe den Karneval und besonders den Tollitätenempfang des Kreises Heinsberg. Karneval ist Kür. Aber für uns geht es derzeit nur um die Pflicht, beispielsweise um den Alltag an Schulen und Kindertagesstätten“, sagt der Landrat. Außerdem dürften durch die Karnevalszeit keine „überflüssigen Infektionen“ entstehen, denn die Ressourcen im Gesundheitsamt und in den Krankenhäusern seien begrenzt. Mit der Diskussion über Karneval laufe man Gefahr, falsche Signale zu setzen. Pusch: „Corona ist noch lange nicht vorbei.“