Roland Kühne erhält Bürgerpreis
Foto: Norbert Prümen
Die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger des SPD-Bürgerpreises „Kempsche Kroan“, Roland Kühne (re.), hielt SPD-Bundestagsmitglied Martin Schulz.
Die Kempener SPD verlieh dem evangelischen Pfarrer die „Kempsche Kroan“ für soziales Engagement. Die Laudatio hielt Bundestagsmitglied Martin Schulz. Der SPD-Politiker zeigte sich sichtlich beeindruckt von dem 63-Jährigen.
von Rudolf Barnholt

KEMPEN | Die Kempener SPD hat am Sonntag in der Paterskirche des Franziskanerklosters zum zweiten Mal den Bürgerpreis für soziales Engagement verliehen. Die „Kempsche Kroan“ ging an den evangelischen Pfarrer Roland Kühne. Die Laudatio hielt SPD-Bundestagsmitglied Martin Schulz. Kühne setzt sich unter anderem für Kinder in Haiti ein sowie für Menschenrechte in China und Hongkong.

Martin Schulz gestand, noch nie in Kempen gewesen zu sein. Aber er konnte sich an eine Begegnung mit Roland Kühne erinnern, auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin vor drei Jahren. „Sie packen die jungen Leute und versuchen, sie auf bestimmte Prinzipien zu verpflichten“, sagte Schulz und meinte die Funktion des zu Ehrenden als Berufsschulpfarrer.

Roland Kühne ist aber auch der Mann, der sich alleine vor die chinesische Botschaft setzt und aus den Werken der Literaten liest, die in ihrer chinesischen Heimat verfolgt, eingesperrt und drangsaliert werden. „Da ist ein einzelner Mann aus Kempen vor der Botschaft einer Supermacht in Berlin, die fragt, wer das denn sei – und die die Laubbläser einschalten lässt, um seine Worte zu übertönen“, sagte Martin Schulz sichtlich beeindruckt von dem 63-Jährigen.

Ebenso beeindruckend ist dessen Hilfe für die Vergessenen in Haiti. „Sie geben den Kindern etwas zu essen, und oft ist es die einzige Mahlzeit, die sie am Tag bekommen“, erklärte Martin Schulz. Und dann ist da noch das Projekt „Schüler bauen für Haiti“, das auf das Engagement von Roland Kühne zurückgeht: In der Stadt Torbeck kann eine Vorschule Anfang Oktober mit zunächst einer Klasse in Betrieb gehen. Unterrichtet werden sollen die Kinder dort nach der Montessori-Pädagogik. Geplant sind zudem ein Waisenhaus und ein medizinisches Zentrum. „Was Sie tun, ist etwas Vorbildliches“, sagte der Laudator.

Martina Güldenburg, Geschäftsführerin der Kempener SPD-Fraktion, moderierte die Preisverleihung und verriet, die Rede habe bei ihr eine Gänsehaut ausgelöst. In seiner ebenso emotionalen Dankesrede offenbarte Roland Kühne, was er seinen Berufsschülern als Erstes mit auf den Weg gebe: „Wir alle sind Menschen. Wir alle können denken. Wir alle können staunen.“

Die Bibel und die Menschenrechte hätten sein Leben radikal verändert. Er dankte auch einem Christdemokraten: Bürgermeister Volker Rübo habe ihn stets unterstützt. Kühne bedankte sich für das durch die Preisverleihung zum Ausdruck gebrachte Vertrauen. Sein Versprechen: „Ich bleibe dran.“ Seiner Frau Birgit dankte er – sie unterstütze ebenfalls seine Aktivitäten.

Ein sehr persönliches Bild des Preisträgers zeichnete Klaus-Peter Hufer, der mit Roland Kühne freundschaftlich verbunden ist. Er erinnerte sich an die gemeinsame Teilnahme an einer Demonstration gegen Nazis in Krefeld und machte die Tatsache, dass der Geehrte sehr leidensfähig ist, an dessen treuer Verbundenheit zu Fortuna Düsseldorf fest. Zum Schluss gab er eine Abwandlung eines bekannten Sprichworts zum Besten: „Es gibt nichts Gutes, außer der Roland tut es.“

„Er hat sich sehr über die Auszeichnung gefreut“, sagte Birgit Kühne, während ihr Mann unzählige Hände schüttelte. Martina Güldenburg verriet, dass etliche mögliche Preisträger vorgeschlagen worden waren, es sich aber schnell gezeigt habe, dass der Preis in Form eines Würfels in diesem Jahr an Roland Kühne gehen müsse.

Info
Erste zweite Vergabe der „Kempsche Kroan“

Junger Preis Die SPD verlieh den Preis erstmals 2019. Er ging an den HNO-Arzt Martin Kamp, der für eine Kinderklinik in Tadschikistan gesorgt hat. Dort werden Kinder mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten operiert.

Preisträger Roland Kühne ist 63 Jahre alt. Er studierte evangelische Theologie in Wuppertal und Bonn, ist verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Freizeit liest er gerne und hört klassische Musik.