Hammfeldhalle dicht: NHV schlägt Alarm
Foto: Linda Hammer
Nach der Rückkehr aus Düsseldorf spielt der Neusser HV wieder in der Hammfeldhalle, die aber aktuell nicht zur Verfügung steht.   

Wegen eines Wasserschadens steht die Halle des Rhein-Kreises den Vereinen und dem Schulsport mindestens fünf Wochen nicht zur Verfügung. Das trifft vor allem die Handballer. „Eine Katastrophe“, sagt Vorsitzender Martin Eggert.

Von Dirk Sitterle

RHEIN-KREIS | Allmählich fühlt sich Martin Eggert im falschen Film. Gerade erst ist die Insolvenz der in der Spielvereinigung HSG Neuss/Düsseldorf an den Start gebrachten Rhein Vikings abgearbeitet, da knallt dem Vorsitzenden des Neusser HV mitten in der Corona-Krise die nächste Hiobsbotschaft auf den Schreibtisch: „Aufgrund der intensiven Reinigungen ist in die Unterkonstruktion des Hallenbodens in der Sporthalle des BBZ Hammfeld Wasser eingedrungen“, heißt es in einer Mitteilung des Rhein-Kreises Neuss. Und weiter: „Hieraus sind Schäden entstanden, die einer sicheren und gefahrlosen Durchführung des Vereinssports entgegenstehen.“

Damit könne die Sporthalle für mindestens fünf Wochen nicht genutzt werden, bestätigt Kreissprecher Benjamin Josephs. „Teile des Bodens sind verfault, die Tore drohten einzustürzen. Das ist im Zuge der Reinigungsarbeiten in der vergangenen Woche festgestellt worden.“ Die entstehenden Kosten in Höhe von rund 10.000 Euro übernimmt der Rhein-Kreis. Zwar sind von der Schließung auch die Schüler des benachbarten Berufsbildungszentrums (BTI) und der Dreikönigenschule unmittelbar betroffen, doch für die Handballer des Neusser HV sei das schlichtweg „eine Katastrophe“, sagt Eggert verzweifelt, „denn die Halle ist von uns jeden Tag ab 17 Uhr quasi durchgehend belegt.“ Für die in der Regionalliga Nordrhein spielenden Herren heißt das konkret: Der Saisonauftakt am 19. September findet nicht in heimischer Halle statt, sondern bei der SG Ratingen. „Und soweit das möglich ist, haben wir alle Heimspiele getauscht, treten bis auf weiteres nur auswärts an“, sagt Eggert.

Damit sei das Problem indes mitnichten gelöst, fügt er an. „Auch der Trainingsbetrieb ist massiv eingeschränkt, denn wir benötigen eine Halle, in der die Verwendung von Haftmittel erlaubt ist – und das gilt nicht nur für die Regionalliga-Herren, sondern auch für unsere vielen Leistungsmannschaften im Jugendbereich.“ Die Gespräche mit hilfsbereiten Nachbarvereinen wie TV Korschenbroich und TuS Treudeutsch Lank oder in Krefeld liefen bereits. „Die Situation erfordert ein Zusammenrücken und Hilfen von außen.“

Die hat der Verein inzwischen auch vom Neusser Sportamt erhalten. „Wir können andere Hallen nutzen, zum Beispiel die Stadionhalle. Dafür sind wir sehr dankbar.“ Der Wegfall der Hammfeldhalle, die zusätzlich von der TuS Reuschenberg und vom mit dem NHV über eine Kooperation verbundenen Handballverband Niederrhein (HVN) für Sichtungs- und Jugendfördermaßnahmen genutzt werde, könne damit jedoch nicht kompensiert werden. „Ganz bitter ist das vor allem für unsere Jugendmannschaften.“ Dieser neuerliche Rückschlag trifft die Neusser Handballer zur absoluten Unzeit. Eggert: „Gerade erst haben wir den Vikings-Mist überstanden, da kommt das! Ich kämpfe mit unserem Sportlichen Leiter Josip Jurisic und einigen anderen im Verein wie ein Löwe, aber es gibt Grenzen.“

Die sieht er vor allem deshalb noch nicht überschritten, weil dem NHV von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und dem Rhein-Kreis ein „offenes Bekenntnis pro Leistungssport Handball“ vorliege. „Dazu gehört im nächsten Jahr auch ein neuer, auf unsere ganz speziellen Bedürfnisse zugeschnittener Hallenboden. Darüber hinaus ist für die Verwendung von Haftmitteln im Trainings- und Spielbetrieb ein hochkompliziertes Reinigungsverfahren nötig.“ Ihm ist durchaus bewusst, „dass wir, was den finanziellen Einsatz angelangt, im Vergleich zu den Basketballerinnen der TG Neuss und dem HTC SW Neuss im Hockey, sicherlich sehr weit vorne liegen. Die Niederrheinliga Herren kostet – auch mit unserem Schmalspuretat – 80.000 bis 100.000 Euro.“

Die mit der wochenlangen Schließung der Hammfeldhalle verbundenen Nöte, insbesondere der Neusser Handballer, sind natürlich auch dem Rhein-Kreis nicht verborgen geblieben. „Wir sind bemüht, so schnell wie möglich eine Beseitigung der Schäden vorzunehmen, um den Vereinssport wieder in der Sporthalle zu ermöglichen“, verspricht Josephs und stärkt damit Eggert und seinem Team den Rücken.

Info

Trainingsplan des NHV in der Hammfeldhalle

Montag 17 bis 20 Uhr: Fördertraining; 20 bis 21.30 Uhr: Damen

Dienstag 17 bis 18.30 Uhr: Weibliche C; 18.30 bis 20 Uhr: A/B-Jugend; 20 bis 21.30 Uhr: 1. Herren

Mittwoch 17 bis 18.30 Uhr: Weibliche D; 18.30 bis 20 Uhr: 1. Herren; 20 bis 21.30 Uhr: A-Jugend

Donnerstag 17 bis 18.30 Uhr: C1/C2; 18.30 bis 20 Uhr: 1. Herren; 20 bis 21.30 Uhr: 1. Damen

Freitag 17 bis 18.30 Uhr: C1/C2; 18.30 bis 20 Uhr: A- und B-Jugend; 20 bis 21 Uhr: 1. und 2. Herren