Serie Meerbusch Früher und heute

Niederdonk - ein Ortsteil im Wandel
   Repro: Mike Kunze
Das Foto aus dem Stadtarchiv Meerbusch zeigt die alte Niederdonker Gnadenkapelle. Sie fungierte immer wieder als Notkirche.

Die Niederdonker Idylle der Vorkriegszeit scheint auf den ersten Blick bis heute noch immer unverändert. In der Kapelle heiraten Meerbuscher Paare besonders gerne.

Von MIKE KUNZE

BÜDERICH | Der Blick schweift nach wie vor mitten in Büderich über freies Feld, den Sieben-Schmerzens-Weg entlang. Die Pappeln sind größer geworden und verstellen ein wenig den Blick auf die Szenerie. Zwischen den Bäumen sind seit 1949 die einzelnen Stationen des Schmerzensweges zu sehen. Geschaffen hat sie der Düsseldorfer Bildhauer Kurt Zimmermann.

Und auch der charakteristische Turm des Dyckhofs grüßt noch immer aus der Ferne wie seit 1666, als Freiherr Wolfgang Günther von Norprath, seines Zeichens Gouverneur von Düsseldorf, einen geschickten Zimmermann mit seiner Herstellung beauftragte. Seit 1718 war Kloster Meer Eigentümer von Dyckhof und Kapelle, 1802 ging die Kapelle an die Pfarre über.

Gleichwohl ist die Zeit auch an dem Ortsteil, der nur aus wenigen Höfen bestand, nicht spurlos vorüber gegangen. Den größten Wandel hat die am Ende des Weges gelegene Wirtschaft und Bäckerei Bender durchgemacht. Zwar sind es immer noch seine Nachkommen, die hier für Gastlichkeit bürgen und immer noch treffen sich hier die Büdericher Schützen wie schon seit Jahrzehnte am Pfingstdienstag. Doch von dem Gebäude ließ ein Bombenangriff am 22. Oktober 1944 nichts als einen Schutthaufen. Die kürzlich im hohen Alter von 90 Jahren verstorbene Magda Schwarz erinnerte sich noch, wie sie auf den Trümmern des Familienbetriebes stand. Nach dem Krieg entstand hier nach und nach das heutige Gebäude mit mehreren Sälen und Gesellschaftszimmern, Hotel und Gartenterrasse. Zuerst wurden noch die abgeklopften Ziegel wiederverwendet, später Erweiterungen vorgenommen.

Aber auch die Niederdonker Gnadenkapelle, bis heute Dreh- und Angelpunkt der alljährlichen Festoktav, hat ihr Gesicht merklich verändert. Das ursprüngliche Gebäude mit dem wundertätigen Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes war wohl nur ein kleiner Bildstock, der Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Grund des benachbarten Piepersgutes entstanden ist. Unter den Freiherren von Norprath wurde das Piepers Kapellchen vergrößert und ab 1679 zur Grablege der Familie. Ob Wolfgang Günther von Norprath hier 1686 wirklich unter einer 2005 entdeckten, großen Steinplatte seine letzte Ruhe gefunden hat, ist nach wie vor ungeklärt.

Immer wieder fungierte das kleine Gotteshaus als Notkirche, etwa wenn das alte Dorf mit Kirche unter Wasser stand. In solch einer Situation wurden hier 1784 sogar Begräbnisse vorgenommen. Die beim Umbau 1907 gefundenen Gebeine wurden unter dem Hochaltar wieder zur Ruhe gebettet.

Als die bisherige Pächterfamilie Werhahn 1807 den Dyckhof erwarb, setzte sie sich immer wieder für die Kapelle ein und rettete sie durch eine größere Renovierung 1839 sogar vor dem Abbruch. Die damals gepflanzten beiden Linden retteten das Gotteshaus im Zweiten Weltkrieg vor der zerstörerischen Druckwelle der Bombe, die das ganze Umfeld verwüstete. Nach dem Brand der Pfarrkirche 1891 wurden hier fast zwei Jahre die Gemeindegottesdienst abgehalten. Der dazu errichtete Bretterverschlag wurde später wieder entfernt, 1907 aber eine Vergrößerung in Angriff genommen. Damals erhielt die Kapelle das barocke Aussehen. Dies hielt aber nicht allzu lange und wurde bei einer erneuten Vergrößerung 1963/64 wieder beseitigt.

Seither hat die Niederdonker Kapelle ihre heutige Gestalt. Zugleich wurde der Vorplatz für Messen unter freiem Himmel gestaltet. Das barocke Hochkreuz stammt vom Priestergrab auf dem alten Friedhof, die Muttergottesfigur ist eine Replik der flämischen Madonna. Im Innern der Kapelle befinden sich ein Triptychon von 1538 sowie eine spätmittelalterliche Pieta. Die Fenster wurden von Wilhelm Geyer und Ewald Matare gestaltet. Ebenfalls seit 1949 läuten zwei vom späteren Meerbuscher Ehrenbürger Dr. Franz Schütz gestiftete Glocken im Dachreiter und ein von der St. Sebastianus-Bruderschaft gestiftetes Glockenspiel tönt dreimal täglich über den Platz.

Auch im näheren Umfeld tut sich aktuell einiges. In der begehrten Wohnlage verschwinden immer wieder einzelne ältere Gebäude mit großen Gärten und machen gleich mehreren modernen Bauten auf derselben Fläche Platz. Hier wird der Wandel vom landwirtschaftlich geprägten Büderich zum vorstädtischen Wohnort besonders deutlich. Was aber über die Jahrzehnte geblieben ist: Hier in Niederdonk heiraten Meerbuscher Paare besonders gern.