Mensch & Stadt

App hilft, Falschmeldungen zu erkennen
   Foto: Christoph Reichwein
Benjamin Kaiser und Amelie Marie van den Bongard präsentieren die App.

Elf Schüler und Schülerinnen besuchen am Gymnasium in den Filder Benden den Projektkurs „Virtuelle Realität“. So genannten Fake News auf den Grund zu gehen, ist eines ihrer Ziele. Der Umgang mit den Medien steht im Vordergrund.

VON SABINE HANNEMANN

MOERS | Ist wirklich der Busfahrer als Schlepper aktiv gewesen, wie diese Schlagzeile es behauptet? Wahr oder falsch? Anhand verschiedener Kriterien lässt sich viel über die Situation im Artikel wie auch den User recherchieren, der diese Meldung ins Netz gesetzt hat. Für die Elftklässler ist es ein Beispiel, wie sich spielerisch mit dem Thema „Fake-News-Bewusstsein“ umgehen lässt. Über verschiedene Quiz-Ebenen lassen sich die Problemlösungen eingrenzen, Punkte werden gesammelt.

„Man kann den eigenen Transfer verbessern und sein Wissen erweitern“, sagt Amelie Marie van den Bongard. „Die spielerische Variante ist lernwirksam“, so die 17- Jährige. Die maximale Spieldauer von 25 Minuten hat sich bei ihr auf 13 Minuten eingependelt. Das so genannte Fake-News-Bewusstsein ist geschärft. Falschmeldungen, die bei unreflektiertem Medienumgang eine Welle lostreten können, haben bei Amelie wenig Chance.

Marc Lachmann, Lehrer im IT-Bildungsbereich lernte im letzten Jahr bei einer Fortbildung im Kommunalen Rechenzentrum in Kamp-Lintfort den Österreicher Josef Bucher kennen. Er gilt als einer der führenden Experten und ist Doktorand an der Universität Duisburg-Essen. Seine Doktorarbeit konzentriert sich auf die Möglichkeiten, sich im Dschungel von falschen Wahrheiten zurechtzufinden. Warum Jugendliche Falschmeldungen annehmen und wie sie diese auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können, ist Kern seiner wissenschaftlichen Arbeit im Learning Lab am Lehrstuhl Mediendidaktik von Prof. Michael Kerrer. Neudeutsch nennt sich Buchers mediendidaktischer Forschungsansatz „gestaltungsorientierte Bildungsforschung“.

Bucher hat selbst als Lehrer gearbeitet und kennt die andere Seite vom Pult, bringt Theorie und Praxis zusammen. Für seine Dissertation hat er am Moerser Gymnasium knapp 200 Schülerinnen und Schüler befragt, deren Antworten er für seine Arbeit wissenschaftlich auswertet. Grundlage bot unter anderem mit entsprechendem Spiele-Material das Salzburger Start up Unternehmen Polycular, das sich als Medienschmiede auf Mixed Reality Anwendungen spezialisiert hat und Apps im Bereich Nachhaltigkeit und Bildung im virtuellen Trainingslabor entwickelt.

„Das Spiel ist kostenfrei. Man braucht keinen Medienraum. Es funktioniert ohne Internetzugang über Smartphone und App und sollte zu Zweit gespielt werden“, so Bucher. Wichtig ist ihm der Kompetenzerwerb im digitalen Leben, das nicht nur in Corona-Zeiten die Jugendlichen beschäftigt. Widersprüchliches entlarven, Quellen bei reißerischen Schlagzeilen kritisch hinterfragen sind dabei nur einige Ziele in Zeiten der Video-App TikTok.

Der zweistündige Projektkurs steuert nun auf ein neues Thema zu und arbeitet an einem virtuellen Rundgang für die Schule, der sich an künftige Fünftklässler richtet. „Ob wir einen Tag der offenen Tür planen können, wissen wir aktuell nicht. Der 360-Grad Rundgang gibt einen Eindruck von unserer Schule“, so Marc Lachmann.

Info

Doktorand trainiert mit Schülern

Neue Technik Das Gymnasium Filder Benden setzt auf neueste Technologien zur Fake-News- Erkennung. Doktorand Josef Bucher besuchte den Projektkurs „Virtuelle Realität“ der Q1 und trainierte mit Schülern den Einsatz eines „Augmented Reality – Escape Roms“.

Partner Er wird als mediendidaktischer Partner mit diesem Thema weiterhin an der Schule anzutreffen sein.