Kreisliga-Spieler schlägt Schiedsrichter nieder
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Seyit C. liegt nach der brutalen Attacke eines Spielers in der Uni-Klinik. Bei dem Schlag wurde sein Kehlkopf geprellt. Dabei hatte der Schiedsrichter noch Glück im Unglück. Er hätte bei der Attacke sterben können.    

Ein Spieler des Garather SV (23) attackierte den Unparteiischen. Seyit C. liegt nun mit einer Kehlkopfquetschung in der Uni-Klinik.

VON Andrea Röhrig und HELMUT SENF

GARATH | Seyit C. liebt den Fußball. Nicht nur, dass er selber gerne kickt, regelmäßig pfeift er als Schiedsrichter Spiele in den unteren Amateurligen. „Einer muss es ja machen, damit der Fußball nicht kaputtgeht“, sagt er. Doch jetzt hat ihn diese pflichtbewusste Einstellung ins Krankenhaus gebracht. Beim Aufeinandertreffen der B-Kreisligisten TSV Eller und dem Garather SV am Sonntagmittag schlug ihn ein Garather Spieler mit zwei Fausthieben gegen den Hals zu Boden. „Ich bin auf den Rücken gefallen und habe keine Luft mehr bekommen“, erzählt Seyit C. im Gespräch mit unserer Redaktion. Sein ganzer Oberkörper habe geschmerzt.

Er kann sich genau daran erinnern, was vor der brutalen Attacke passierte. „Es war die 80. Minute und ich war froh, dass das Spiel bald vorbei ist. Denn die Spieler des GSV haben jede Entscheidung von mir kritisiert. Es war von Anfang an eine aggressive Stimmung. Einen Spieler hatte ich schon wegen wiederholten Foulspiels frühzeitig mit Gelb-Rot zum Duschen schicken müssen. Den gelbverwarnten Spieler, der mich dann attackierte, habe ich nach einem weiteren Foul mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen.“

Was danach geschah, schildert ein TSV-Akteur so: „Der Garather Spieler hat mit beiden Fäusten gezielt auf den Schiedsrichter eingeschlagen und ihn am Kehlkopf getroffen.“ Der Unparteiische sei sofort umgekippt und zu Boden gefallen. „Ich war völlig schockiert“, berichtet der Augenzeuge. Zwischen Spielern beider Mannschaften sei es anschließend zu einer Rudelbildung gekommen. „Das war eine sehr heftige Attacke!“ Von einer lebensgefährlichen Aktion spricht auch die Polizei, das Spiel wurde abgebrochen.

Zuschauerin Daniela Wirtz, Mutter des Elleraner Offensivspielers Henrik Wirtz, reagierte sofort. Inmitten des Tumults lief sie aufs Spielfeld und kümmerte sich als Ersthelferin um den am Boden liegenden Schiedsrichter. „Der Mann hatte Schwierigkeiten zu atmen, konnte kaum sprechen und zitterte stark“, berichtet die gelernte Krankenschwester von ihren Eindrücken. Sie brachte Seyit C. in die stabile Seitenlage und betreute ihn, bis der Rettungswagen kam. Die Notfallhelfer brachten ihn in die Uni-Klinik, wo er wegen einer Kehlkopfprellung behandelt wird. „Ich hoffe, dass ich Dienstag wieder entlassen werde, habe aber starke Schmerzen“, sagt Seyit C. vom Krankenbett aus. Sobald er wieder draußen ist, will er den Spieler anzeigen.

Von Amts wegen hat die Polizei bereits ein Verfahren gegen den 23-Jährigen eingeleitet, der aus einem Kriegsgebiet nach Deutschland geflüchtet war. Da er hier, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage erläutert, keinen geduldeten Status hat, wurde er am Montag noch dem Haftrichter vorgeführt, weil Fluchtgefahr besteht.

Da der junge Mann augenscheinlich wusste, dass ihm heftiger Ärger von den Behörden droht, war er laut Polizeiangaben direkt nach seiner Tat mit seinem Fahrzeug von der Sportanlage in Eller geflüchtet. Hinweise zu seiner Person teilten Spieler des TSV Eller der Polizei noch an Ort und Stelle mit. Auch das Kennzeichen wurde den Beamten weitergegeben.

Beim Garather SV zeigten sich die Vereinsverantwortlichen schockiert über den Vorfall. Bereits für Dienstag hat der Vorstand die Mannschaft einbestellt, berichtet der Vorsitzende Peter Heinen. Über Konsequenzen will der Vorstand zeitnah beraten. „Auch ein Ausschluss der gesamten Mannschaft ist möglich“, sagt der langjährige GSV-Fußballobmann Helmut Röder. Allerdings wolle der Verein vor einer Entscheidung das Gespräch mit den Spielern suchen, um sich über die Umstände eingehend zu informieren. „Es ist bei dieser Mannschaft der erste Vorfall in diesem Ausmaß“, betont Röder. „Wenn sich dieser jedoch so darstellt, wie er uns berichtet wurde, dann wird dieser Spieler unseren Vereinsboden nicht mehr betreten“, sagt Heinen.

In ihrer zweiten Saison läuft die Mannschaft in der Kreisliga B für den Garather SV auf. „Wir sind damals angefragt worden, ob wir uns vorstellen können, diesen bis dahin losen Zusammenschluss von Fußballspielern mit Migrationshintergrund für den Spielbetrieb zu melden“, berichtet der GSV-Vorsitzende, der bis Sonntag einen positiven Eindruck vom Team hatte: „Aus unserer Sicht haben sich die Spieler gut integriert.“ Vom Ausgang des Gesprächs will der GSV abhängig machen, ob und in welcher Form es für das Team weitergehen kann. Für Seyit C. steht hingegen schon fest, dass er nach seiner Genesung wieder als Schiedsrichter Spiele leiten wird. Zu viel Herz hat er an sein Hobby Fußball gehängt. Ob er allerdings jemals wieder ein Spiel dieser Mannschaft pfeifen wird, wenn sie nicht vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden sollte, davon geht Seyit C. nicht aus: „Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Wenn dieser Vorfall jetzt auch besonders brutal war, hat der Fußballkreis Düsseldorf „eine deutliche Zunahme von Aggression auf unseren Sportstätten festgestellt“. Fußballobmann Bernd Biermann sagte unserer Redaktion, dass der Spielabbruch in Eller nicht der erste in der gerade erst begonnenen Saison sei: „Auch Rassismus und Sexismus haben erkennbar zugenommen.“ Mit dem Vorfall in Eller wird sich auch der Vorstand des Fußballkreises beschäftigen.