Fuchsthone-Orchester besiegt den Corona-Koller mit Jazz
Foto: Lars Fröhlich
Mitglieder des 17-köpfigen Fuchsthone Orchestra auf der Bühne in Hiesfeld.   

Christina Fuchs und Caroline Thon eröffneten in der Aula des Gustav-Heinemann-Schulzentrums die neue Jazz-Saison in Dinslaken.

DINSLAKEN | (bes) Es ist zum Schreien: Erst der Klimawandel und dann noch Corona. Das Fuchsthone Orchestra kriegt den Koller und lässt diesem in ungezügelten Freejazz seinen Lauf. Dabei setzt die Big Band in der Aula des GHZ in Hiesfeld gletscherstarke Kräfte frei, während Eva Pöpplin Samples von Greta Thunberg einspielt und Filippa Gojo deren Zitate gesanglich interpretiert. Knapp sieben Monate musste die Jazz Initiative Dinslaken vom Soundcheck im Ledigenheim bis zum Konzert im GHZ auf das Konzert des Fuchsthone Orchestras warten. Die Welt hat sich seit jenem 13. März, als sich die Ereignisse der Coronakrise überschlugen und deshalb das Jazz Konzert drei Stunden vor Beginn abgesagt wurde, verändert. Und mit ihr die Kompositionen der beiden Orchesterleiterinnen Christina Fuchs und Caroline Thon. Unter dem Titel „Fuchsthone reloaded“ präsentierten sie am Freitag Modifikationen des ursprünglichen Programms. So wie „Iceland“ von Christina Fuchs, das nun „Iceland Corona Koller“ heißt.

Zwei Komponisten-Persönlichkeiten, ein Orchester. Christina Fuchs geht stärker ins Experimentelle, Atonale, Caroline Thon tendiert eher zum atmosphärisch Harmonischeren, rhythmisch Gebundenen. Spannend ist es, wie sie dem gleichen Klangkörper mit einer coronabedingt um einige Bläser verkleinerten Big Band, Gesang, Violine und eben jenen Electronics von Eva Pöpplin umgehen, andere Akzente setzen, alternative Möglichkeiten ausloten. Dabei lassen noch genügend Raum für die Solisten - alles Könner aus der Kölner Szene.

Caroline Thon bildet nach tibetischer Überlieferung den ganzen Kreislauf des Lebens in einer einzigen Komposition nach. Eingerahmt vom Singen der Klangschalen entspannt sich der musikalische Gang durch Werden und Vergehen, durch Leid und dessen Überwindung.

Thon und Fuchs malen gleichermaßen mit Lauten, nutzen das große Orchester für wahre Landschaftsgemälde. In „Syrinx“ spielt Fuchs mit den Möglichkeiten, Instrumente wie Vogelstimmen klingen zu lassen: Es zwitschert, tschilpt und pfeift. Nur die menschliche Stimme imitiert sie nicht: Filippa Gojo stellt eindrucksvoll unter Beweis, zu welcher akustischen Akrobatik diese Stimme fähig ist. Prompt stellt Thon dem Stück ein ganzes Schweizer Bergpanorama gegenüber.

Island, Sardinien als Zugabe, Hiesfeld. „Ich war noch nie hier“, meint Christina Fuchs, „es ist eine Entdeckung“.

Aula- statt Clubatmosphäre wie im Ledigenheim, die Jazz Initiative Dinslaken geht auf Nummer sicher und schuf im gut durchlüfteten Saal eine ebenso luftige Bestuhlung mit nur 50 Zweiergruppen in lockeren Abständen.

Trotzdem wagten sich leider nur gut die Hälfte ins hochkarätige Konzert. Caroline Thon schaut sich um und bedankt sich bei der Jazz Initiative: „Man merkt, dass hier Idealisten am Werk sind.“ Der Verein startet am 30. Oktober bei stark verkleinerter Saalkapazität im Ledigenheim in die neue Saison.